Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die quantitativen Verhältnisse des simultanen Helligkeits- und Farben-Contrastes
Person:
Kirschmann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4957/4/
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August Kirschmann. 
Denn, wäre dies nicht der Fall, besäße vielmehr für irgend 
eine Einfallsrichtung die Summe der zu ihr senkrechten Flächen 
einen größeren Werth als für andere Richtungen, so handelte es 
sich nicht mehr um einen Körper von absolut unregelmäßig reflec- 
tirender Oberfläche, sondern es läge ein mehr oder minder hoher 
Grad von Spiegelung vor. Somit kann jede unregelmäßig reflec- 
tirende Fläche als ein Aggregat von unzähligen kleinen und un¬ 
regelmäßig gestalteten Körperchen betrachtet werden, welche jeder 
beliebigen Richtung im Raume dieselbe Flächensumme zuwenden. 
Da aber diejenige Richtung, welche zum einfallenden Lichte senk¬ 
recht steht, eine größere Menge Licht empfängt, so muss sie auch 
mehr Licht reflectiren. Es lässt sich leicht nachweisen, dass auch 
hinsichtlich der aus mehrmaliger Reflexion entspringenden Zurück¬ 
strahlung die Einfallsrichtung im Vortheil ist. Ebenso wird die Wir¬ 
kung noch eine Erhöhung erfahren, wenn wir die Körperchen als 
durchsichtige betrachten und demnach für alle Richtungen nicht 
Flächen, sondern Flächenpaare in Rechnung kommen. 
Wenn somit jede matte Fläche am meisten Lichtstrahlen nach 
derjenigen Richtung reflectirt, aus welcher sie selber das Licht 
empfing, so ist für das Auge des Beobachters diejenige Stelle einer 
Fläche die hellste, welche mit ihm und der Lichtquelle in einer 
geraden Linie liegt. Eben an diese Stelle aber fällt der Schatten 
des Kopfes des Beobachters, und es bleiben als relativ günstigste 
Stellen nur die der directen Umgebung des Schattens übrig. 
Dass es unter Umständen zur Bildung mehr oder minder scharf 
begrenzter Randscheine kommt, wie bei dem in der Morgensonne 
beobachteten Glorienscheine, rührt daher, dass es sich hierbei nicht 
um Flächen handelt, welche als ein Aggregat von unendlich 
kleinen Körperchen anzusehen sind, sondern um eine Zusammen¬ 
häufung von Objecten, bei welchen nicht nur die Reflexion, sondern 
auch die Schattenwerfung in Betracht zu ziehen ist. Stehen wir m 
der Morgensonne vor einem mit Grün bekleideten Rasen oder einem 
jungen Gerstenfelde (bei welchem das Heiligenscheinphänomen be¬ 
sonders deutlich zu Tage tritt), so ist es klar, dass wir nicht blos 
die beleuchteten Halme, sondern auch deren Schatten sehen müssen. 
Wenn wir die letzteren auch nicht einzeln erkennen können, so 
tragen sie doch mit ihrer geringeren Helligkeit, welche sich für das
        

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