Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die quantitativen Verhältnisse des simultanen Helligkeits- und Farben-Contrastes
Person:
Kirschmann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4957/25/
Ueber die quantitativen Verhältnisse des simultanen Helligkeits- u. Farben-Contrastes. 441 
Das Versuchsverfahren war durchaus unwissentlich. Dem Be¬ 
obachter war, da er sich vor jedem Versuche von der beim Nicht¬ 
vorhandensein einer »Inducirenden« zu constatirenden Gleichheit 
der Vergleichsdiaphragmen überzeugen musste, allerdings bekannt, 
dass die hei dem Sichtbarwerden der Inducirenden sofort auftretende 
Ungleichheit eine Contrastwirkung war; er hatte aber, sobald der 
Episkotister einmal in Thätigkeit getreten, weder von der Größe 
der geschehenen Aenderung noch von der Richtung derselben irgend 
welche Kenntniss. Das unwissentliche Verfahren ist sicherlich 
weniger genau, führt aber, wenn es nicht gerade auf eine feinste 
Bestimmung der Unterschiedsschwelle ankommt, in kürzerer Zeit 
zum Ziele und bietet überdies in einem Falle wie dem vorliegenden, 
wo es darauf ankommt, dass der Beobachter seine ganze Aufmerk¬ 
samkeit den contrastirenden Empfindungen zuwende und von allem 
andern Bewusstseinsinhalt möglichst abstrahire, eine gewisse Sicher¬ 
heit gegen manche durch das Urtheil herbeigeführte Fehler. Die 
Kenntniss der wirklichen Sachlage kann der Contrastwahrnehmung 
sehr hinderlich sein; in unserem Falle aber war dem Beobachter 
von der wirklichen Sachlage nichts bekannt. Er hatte nur einen 
Unterschied zwischen zwei Empfindungen zu beobachten und zu 
beurtheilen, nämlich den Unterschied in der Helligkeit der beiden 
unter ungleichem Contrasteinfluss stehenden Quadrate. Dabei war 
ihm streng untersagt, das inducirende Quadrat zu fixiren, weil hier¬ 
durch störende Nachbilder entstehen mussten. Bei den Vorversuchen 
kam ein solches unwillkürliches Hinüberblicken nach dem helleren 
und größeren Objecte noch zuweilen vor; später aber gewöhnte sich 
der Beobachter bald an die richtige Fixirung. Es sei noch erwähnt, 
dass zur Prüfung des Beobachters in Bezug auf die Sicherheit seines 
Urtheils zuweilen Vexirversuche angestellt wurden, welche darin 
bestanden, dass anstatt minimaler Aenderungen größere Verschie¬ 
bungen der Sectoren vorgenommen wurden, oder dass man 12—lömal 
dieselben Reize einwirken ließ, jedesmal durch hörbare Verschiebung 
der Sectoren eine Aenderung fingirend. Hierbei stellte sich heraus, 
dass die Anzahl der Einzelbeobachtungen, welche zu einem Versuche 
nöthig waren, und die Erwartung keinen wesentlichen Einfluss auf 
die Beurtheilung hatten. Durch die Vexirversuche der erstgenannten 
Art wurde eine Sicherheit des Urtheils constatirt, welche bedeutender
        

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