Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die quantitativen Verhältnisse des simultanen Helligkeits- und Farben-Contrastes
Person:
Kirschmann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4957/10/
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August Kirschmann. 
stes. Wenn dagegen an sonnigen Wintertagen, bei klarem blauem 
Himmel, wo von einer gelblichen Beleuchtung keine Rede sein 
kann, die Schatten der Bäume auf den weißen Schneeflächen merk¬ 
lich blau aussehen, so hat dies seinen Grund nicht in irgend einer 
Contrastwirkung, sondern in der einfachen Thatsache, dass die be¬ 
schatteten Stellen eben diejenigen sind, welche kein directes, weißes 
Licht von der Sonne, sondern nur wesentlich blau gefärbtes von 
dem hellen Himmel erhalten. 
Nachdem wir im Vorstehenden gesehen haben, dass hinsicht¬ 
lich der Unterscheidung dessen, was als Contrastwirkung zu be¬ 
trachten, und dessen, was auf physikalische Ursachen zurückzu- 
führen ist, die größte Vorsicht geboten ist, erachten wir es als eine 
der ersten Forderungen bei der experimentellen Untersuchung des 
reinen simultanen Contrastes, dass der Einfluss jener Pseudocon¬ 
traste mit eben so großer Sorgfalt ferngehalten werde, wie die 
Störungen durch Randscheine und Nachbilder. In dieser Beziehung 
kann allen den Versuchen, welche mit Schatten von Stäben, mit 
schmalen Papierstreifen, mit Scheibchen von 10 mm und weniger 
Durchmesser operiren, der Vorwurf nicht erspart bleiben, dass die 
genannten Beobachtungsobjecte überall da, wo es sich um mehr 
oder minder genaue quantitative Bestimmungen handelt, wenig ge¬ 
eignet erscheinen, den obigen Anforderungen gerecht zu werden. 
Nach Ausscheidung dieser oft fälschlich dem Contrast zuge¬ 
rechneten oder von ihm nicht zureichend getrennten Erscheinungen 
können nun als Formen des eigentlichen Simultancontrastes im 
Gebiet des Gesichtssinnes die folgenden unterschieden werden: 
1) der Helligkeitscontrast, 
2) der Sättigungscontrast]), 
3) der Farbencontrast, 
4) der Contrast des Gefühlstones1 2). 
1) Darunter ist die gegenseitige Beeinflussung zu verstehen, welche zwei 
Lichtempfindungen von gleicher Farbe und Intensität, aber von ungleicher 
Sättigung auf einander ausüben. 
2) Der sich so häufig dem Auge bietende Contrast in der Größenwahrnehmung
        

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