Volltext: Ueber die Reactionszeit und Perceptionsdauer der Klänge (6)

412 
Götz Martius. 
das große C einsetzten, was in der That der Natur des benutzten 
Klanges nicht widersprechen würde. Alle diese Umstände ver¬ 
einigen sich, um den Schluss zu ergeben, dass nach den mitge- 
theilten Versuchen und unter Voraussetzung von deren Gültigkeit 
die auf der Theorie des Mitschwingens fußende Annahme. dass 
eine bestimmte größere Anzahl von Schwingungen vergehen muss 
ehe eine Erregung zu Stande kommt, nicht richtig sein kann. Und 
dieses Ergebniss folgt aus Versuchen, welche die Verschiedenheit 
der Reactionszeiten in den verschiedenen Theilen der Tonscala be¬ 
stätigt haben, während doch diese Verschiedenheit gerade die vor¬ 
nehmste Stütze jener Theorie zu sein schien. 
Wie erklärt sich dann aber die Verschiedenheit der Reactions¬ 
zeiten und die daraus folgende Verschiedenheit der Perceptionsdauer 
der Klänge? Die innere Folgerichtigkeit der entwickelten Gedanken 
führt zu dem Schluss, dass, wenn der Grund des Zeitunterschiedes 
nicht in der für die Erregung des Organs nothwendigen mit der 
Schwingungszahl variablen Zeit liegt, er nur in der Natur des ge- 
sammten Erregungsprocesses gesucht werden kann; es ist dann die 
Annahme nicht abzuweisen, dass die Geschwindigkeit des psycho¬ 
physischen Erregungsvorganges bei den verschiedenen Tönen ver¬ 
schieden ist. Diese Folgerung wäre, ebenso unerwartet wie sie 
war, doch ebenso weittragend. Jedwede Erregung einer Faser 
würde zu einer .Erregung des gesammten Mechanismus der Leitung 
und des Centrums führen, würde den Molekülen der Leitungs- und 
Centralsubstanz eine Bewegung von bestimmter Art und Geschwin¬ 
digkeit mittheilen. Schon nach zwei Schwingungen würde eine 
Stetigkeit des specifischen Bewegungszustandes erreicht sein. Es 
könnte verlockend erscheinen, die sich so ergebende Anschauungs¬ 
weise zu verfolgen und auszumalen. Die Unterschiede der Inten¬ 
sität würde man nach Analogie der Saitenschwingungen in größerer 
Weite der Bewegung des Einzelmoleküls suchen oder auch in dem 
Betheiligtsein einer größeren Anzahl von Molekülen unter Beibe¬ 
haltung der Geschwindigkeit der Fortpflanzung des Bewegungsvor- 
gangs von Molekül zu Molekül. Die Unterschiedsschwellen für 
Qualität und Intensität würden sich aus dem Widerstand, welchen 
der eine Bewegungszustand dem Uebergang in einen neuen ent¬ 
gegensetzt, von selbst erklären. Licht und Schall würden sich nicht
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.