Bauhaus-Universität Weimar

Kritik der Theorieen. 
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kung auf den Verlauf der, Vorstellungen immer als ein zusammenhängender 
Vorgang zu erkennen gibt, daher diejenigen Affecte, welche die praelische 
Psychologie unterscheidet , ihre Bezeichnung hauptsächlich den zu Grunde lie¬ 
genden Gefühlen verdanken. 
Das Begehren besteht nach Herbart in dem Aufstreben einer Vorstellung 
gegen die ihr widerstreitenden Gegensätze oder auch in ihrem Widerstreben 
gegen solche1). Hier fällt, wie mir scheint, das Ungenügende der Herbart- 
schen Apperceptionstheorie besonders deutlich in die Augen. Es kann Vor¬ 
kommen, dass sich eine Vorstellung aus irgend einer Ursache, z. B. weil sie 
uns einen liefen Eindruck gemacht hat, immer und immer wieder in den Vorder¬ 
grund des Bewusstseins drängt. Einen solchen Zustand nennen wir aber noch 
lange kein Begehren. Zu diesem ist vielmehr erforderlich, dass unsere Apper¬ 
ception von sich aus unter dem Einfluss irgend einer physiologischen oder psy¬ 
chischen Heizung die Vorstellung oder eine auf Realisirung derselben gerichtete 
Bewegung zu erzeugen strebe. Diesem Gesichtspunkte fügen sich auch jene 
angeborenen Triebe , deren Zusammengehörigkeit mit den Begierden augenfällig 
ist, und die sich doch unmöglich auf anstrebende Vorstellungen zurück¬ 
führen lassen, da solche bei der ersten Regung des Triebes eben noch 
gar nicht exisliren. Die Theorieen über die thierischen Instincte2) leiden, wie 
oben schon kurz angedeulel wurde, sämmtlich an dem Uebelsland, dass die 
wahre psychologische Wurzel dieser Erscheinungen verkannt wurde. Das Un¬ 
befriedigende derselben ist daher auch schon mehrfach hervorgehoben worden. 
Darwin hat in dem Princip der Vererbung zwar einen wichtigen und frucht¬ 
baren Gesichtspunkt aufgestellt ; die ursprüngliche Natur des Instincts ist aber 
damit nicht aufgeklärt. Diese liegt , wie wir gesehen haben, durchaus in dem 
Begehren , das auch die mannigfachen Aeusserungen der Intelligenz, welche bei 
den Inslinethandlungen mit wirken, in seine Dienste nimmt. 
1) Heriiart a. a. O. §. 104, S. 73 f. 
2) Vergl. hierüber Reimarus, allgemeine Betrachtungen über die Triebe S. 212. 
Flourens , ile l’instinct et de .l’intelligence p. 15. Actenrieth, Ansichten über Natur- 
und Seelenleben S. 169 f. Lotze, Wagner's Handwörterb. der Physiol. II S. 191 f. 
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