Bauhaus-Universität Weimar

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Verlauf und Association der Vorstellungen. 
punkt des Bewusstseins zu heben, und 2) dass solche Anpassung, wo die 
Sinnesreize in Bezug auf irgend welche ihrer Elemente vorher bekannt 
sind, vorbereitend geschehen kann. Hierdurch wird die Zeit zwischen 
Perception und Apperception mehr oder weniger abgekürzt, oder sie kann, 
falls die Eindrücke auch in Bezug auf ihren Zeiteintritt bestimmt sind, so¬ 
gar negativ werden. Sind die Bedingungen derart, dass gleichzeitig mit 
der Apperception des Eindrucks eine Willenserregung staltfinden soll, so 
sind wieder zwei Fälle zu unterscheiden. Es kann 1) die Art der will¬ 
kürlichen Bewegung zuvor gegeben und eingeübt sein, oder sie kann 2] 
unbestimmt gelassen werden, indem man sie von der variabeln Beschaffen¬ 
heit des aufzufassenden Reizes abhängig macht. Im ersten Fall ist in der 
Regel eine besondere Willenszeit nicht vorhanden: die Entwicklung des 
Willensimpulses fällt hier vollständig mit der Apperception zusammen. 
Sobald die letztere vollendet ist, wird gleichzeitig oder wenigstens nach 
verschwindend kurzer Zwischenzeit auch der Eindruck registrirt. 'Diese 
Thatsache kann nicht anders als durch die Annahme erklärt werden, dass 
die vorbereitende Spannung der Aufmerksamkeit in einem Innervalions¬ 
vorgang besteht, welcher sich gleichzeitig als anwachsende Willensenergie 
geltend macht. Hiermit steht es im vollen Einklang, dass jene vorberei¬ 
tende Spannung selber ein willkürlicher Act ist. Als physiologische Grund¬ 
lage des Vorgangs der Apperception haben wir also hier das Anwachsen 
einer motorischen Innervation vorauszusetzen, welche vollkommen gleich¬ 
zeitig bereit ist auf ein bestimmtes centrales Sinnesgebiet überzufliessen 
und eine bestimmte motorische Leitung zu ergreifen. Auch das subjective 
Gefühl der Aufmerksamkeit wechselt daher bei diesen Beobachtungen mit 
beiden Bedingungen: es verändert sich mit der Qualität und Stärke des 
erwarteten Eindrucks und mit der Form der intendirten Bewegung1). Nun 
kann von diesen zwei Bedingungen die eine oder die andere mehr oder 
weniger unbestimmt gelassen werden. Ist die Art des äusseren Eindrucks 
völlig unbekannt, so gewinnt zwar die motorische Spannung das zurei¬ 
chende Maass vorbereitender Energie, aber der Abfluss der motorischen 
Innervation theilt sich nun zwischen verschiedenen Sinnesgebieten. So 
entsteht ein Gefühl der Unruhe, sehr verschieden von jener sichern Span¬ 
nung, welche der Beobachtung eines erwarteten Eindrucks vorangeht. Hier 
ist nun die Apperceplionsdauer vergrössert, aber die Willenszeit fällt noch 
immer mit derselben zusammen. Minder erschwert wird die Apperception, 
wenn wenigstens die Qualität der Reizung bekannt ist. .letzt ist der vor¬ 
bereitenden Innervation ihr bestimmter Weg angewiesen, nur die Stärke, zu 
welcher sie in ihrer sensorischen Abzweigung anwachsen soll, ist unbe- 
i) Vergl. S. 7-2-! f.
        

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