Bauhaus-Universität Weimar

Bedingungen des Einfach- und Doppelsehens. 
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näheren und auf den ferneren Punkt einstellt. Dabei scheinen sich näm¬ 
lich die Doppelbilder, während sie bei der Aenderung der Convergenz 
einander näher treten, immer gleichzeitig von dem vorher festgehaltenen 
Fixationspunkte zu entfernen. Der scheinbare Ort der Doppelbilder nähert 
sich daher auch um so mehr dem Blickpunkte, je mehr der Blick festge¬ 
halten wird, und bei vollkommen starrer Fixation kann wirklich die Täu¬ 
schung entstehen, als wenn er sich in gleicher Entfernung befände. Uebrigens 
Fig. 130. 
spielt in allen diesen Fällen der Umstand, ob die Netzhautbilder bereits 
geläufigen Vorstellungen entsprechen, eine wesentliche Rolle. So wird es 
nicht schwer, die Fig. 130 bei der Fixation der kleineren Kreise zur 
Vorstellung eines abgestumpften Kegels zu combiniren, obgleich keine 
Fixationslinien zwischen den kleineren und den grösseren Kreisen vorhan¬ 
den sind. Hierbei kommt uns zu statten, dass eine wirkliche Form 
dieser Art in der That keine fest bestimmten Fixationslinien besitzt, 
während an einer abgestumpften Pyramide, wie sie der Fig. 129 entspricht, 
solche zwischen den Ecken der Basis und der Spitze existiren müssen. 
Die Vorstellung, die wir bei der Fixation irgend eines Punktes von dem 
Lageverhältniss aller andern Punkte im Sehfelde haben, ist somit an und 
für sich nur insoweit bestimmt, als sie durch die Kenntniss der Rich¬ 
tung, in welcher der Blickpunkt bewegt werden muss, um sich auf sie 
einzustellen, gegeben ist. Mit andern Worten : wir wissen im allgemeinen, 
wohin wir den Blick wenden müssen, um ein Object zu fixiren; wir 
wissen aber nicht, um wie viel wir ihn drehen müssen. Dies wird be¬ 
greiflich, wenn wir erwägen, dass eine genaue Lagebestimmung des Aug¬ 
apfels wahrscheinlich auf keine andere Weise zu Stande kommen wird als 
die Lagebestimmung unserer tastenden Glieder, nämlich unter Mithülfe jener 
Empfindungen, welche bei der wirklichen Bewegung durch die Pressungen 
der Theile und andere peripherische Sinnesempfindungen entstehen. Die 
Innervationsgefühle sind nun zwar, je nach der Richtung, in welcher der 
Antrieb zur Bewegung wirkt, mit den von früheren Bewegungen zurück¬ 
gebliebenen Residuen jener Fimpfindungen associirt *). Aber hierdurch kann 
0 Yergl. Cap. XII, S. 4S4. 
Wundt, Grundzügp. 38
        

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