Bauhaus-Universität Weimar

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Qualität der Empfindung. 
einer gewissen Grenze auch mit der Sättigungsabnahme der inducirenden 
Farbe zunimmt. Diese Grenze wird, falls das in der Contrastfarbe ge¬ 
sehene Object selbst farblos ist, dann erreicht, wenn die inducirende Farbe 
hell genug ist, um mit dem inducirten Object Helligkeitscontrast zu geben, 
und wenn sie doch noch hinreichende Sättigung besitzt, um einen deut¬ 
lichen Farbeneindruck zu verursachen. Das inducirte farblose Object aber 
muss einerseits hinreichend dunkel sein, um Helligkeitscontrast mit dem 
lichteren Grunde zu geben, anderseits muss es doch hell genug sein, damit 
überhaupt noch eine Lichtreizung von gewisser Intensität stattfindet. Die 
lichtschwächsten Eindrücke können, da sie nur ein Minimum von Empfin¬ 
dung bewirken, auch in ihrer Empfindungsqualität durch den Contrast 
nicht erheblich geändert werden. So kommt es, dass ein dunkles Grau 
auf farbigem Grunde von geringer Sättigung diejenige Bedingung für den 
Contrast darbietet, wobei die Contrastfarbe in möglichst grosser Sättigung 
gesehen wird. Vermehrt man die Sättigung des farbigen Grundes oder die 
Helligkeit des inducirten Objectes über diesen günstigsten Punkt, so nimmt 
in beiden Fällen die Sättigung der Contrastfarbe ab. Dasselbe geschieht 
aber auch, wenn man die Helligkeit des inducirten Objects vermindert, 
w'eil sich nun die Farbenempfindung in Folge der geringen Lichtinlensität 
dem Pol des Schwarz nähert. Hierin liegt die Erklärung für die Wirkung 
des durchscheinenden Briefpapiers in Meyer’s Versuch. Bei letzterem er¬ 
scheint die Contrastfarbe dann am meisten gesättigt, w:enn man auf ein 
Papier von gesättigter Farbe ein kleineres schwarzes Papierstückchen legt 
und dann den Briefbogen darüber deckt. Durch den letzteren wird die 
Sättigung des farbigen Grundes gerade in zureichendem Grade vermindert 
und das Schwarz des Papierslückchens in ein dunkles Grau verwandelt. 
Der Contrast vermindert sich dagegen sehr, wenn man stall des schwarzen 
ein wreisses Papierstückchen unterlegt. Wählt man anderseits ein sehr 
durchscheinendes Seidenpapier zur Bedeckung des schwarzen Papierslück¬ 
chens und seines Grundes, so muss man mehrere Bogen desselben über 
einander schichten, bis dasjenige Verhältniss der Helligkeit getroffen ist, bei 
welchem der Contrast ein Maximum wird. 
Das geeignetste Mittel zur Bestimmung jener Helligkeits- und Sättigungs¬ 
grade , welche für den Contrast am günstigsten sind, bietet der Farben¬ 
kreisel1). Gibt man der Scheibe desselben mehrere farbige Sectoren, deren 
jeder an einer bestimmten Stelle durch ein schwarzes Zwischenstück unter¬ 
brochen ist, wie in Fig. 95, wo die farbigen Theile der Sectoren durch 
graue Schaltirung angedeutet sind, so erscheint bei rascher Rotation die 
ganze Scheibe in einem w;eisslichen Farbenton, an der Stelle des Zwdschen- 
1) Helmholtz, physiol. Optik, S. 4U.
        

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