Bauhaus-Universität Weimar

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Qualität der Empfindung. 
welche die Farbencurven bei geändertem Sättigungsgrad successiv erfahren 
müssen, um fortan ein zusammengehöriges System mit richtiger Abmessung 
der complementären Farbentöne zu bilden, lassen sich daher darstellen, 
wenn man sich alle Farbentöne mit ihren Sättigungsgraden auf einer Kegel¬ 
oberfläche abgetragen denkt, von der das System der Speklralfarben ein 
horizontaler Durchschnitt ist. Von hier aus kommen, gegen die Spitze des 
Kegels, Farbentöne von immer geringerer Sättigung, die in der Spitze selbst 
in Weiss übergehen ; weiter gegen die Basis aber, welche letztere man 
sich unendlich entfernt denken kann, wird man zu Farbensystomen von 
überspektraler Sättigung gelangen. Somit bilden die Farbentöne sammt 
ihren Sättigungsgraden ein Continuum von zw7ei Dimensionen, das, wenn 
man die einfachste Form wählt, als ein ebenes Continuum von begrenztem 
Umfang dargeslellt werden kann, und dessen Grenze durch die Linie der spek¬ 
tralen Farbentöne gebildet wird. In seiner allgemeinsten Form und mit Rück¬ 
sicht auf die ideale Möglichkeit unendlich vieler Sättigungsgrade bildet aber das 
System der Farben eine gekrümmte Oberfläche mit wechselndem Krümmungs- 
maass, also ein nicht-ebenes Continuum von zwei Dimensionen, welches 
desshalb in dem unserer Anschauung gegebenen Raum nur unter Zuhülfe- 
nahme der dritten Dimension dargestellt werden kann i). 
Die Intensität der Lichtempfindung darf innerhalb gewisser 
Grenzen als ein von Farbenton und Sättigung unabhängiger Bestandtheil 
angesehen werden, da eine nach Farbe und Sättigungsgrad bestimmte 
Empfindung verschiedene Grade der Stärke besitzen kann. Zwar werden 
wir sogleich sehen, dass dieser Satz wesentliche Einschränkungen erfährt. 
Betrachten wir aber vorläufig die Lichtstärke als eine für sich veränderliche 
Grösse, so ist klar, dass dieselbe dem nach zwei Dimensionen construirten 
Continuum der Farben die dritte hinzufügt. Beschränkt man sich auf die 
unser gewöhnliches Empfindungssystem vollständig darstellende ebene 
Farbentafel, wie sie nach der Abstufung der Farben in Ton und Sätti¬ 
gung oder nach dem Mischungsgesetze construirt werden kann, so lässt 
sich die einer jeden Lichlqualität entsprechende Abstufung der Intensität 
als eine der Farbentafel an der betreffenden Stelle aufgesetzte senkrechte 
Linie darstellen. Nehmen wir die einfachste Form, den Kreis, und be¬ 
ginnen wir mit dem das Weiss darstellenden Mittelpunkt (Fig. 88), so wird 
also die hier aufgesetzte Senkrechte alle Stufen des Weiss durch Grau bis 
zum Schwarz andeuten. Wollte man ein Maassprincip zu Grunde legen, 
so würde man auch hier die eben merklichen Unterschiede als Maasseinheiten 
i) Vergl. hierzu die Lehre vom Raum in Cap. XVI.
        

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