Bauhaus-Universität Weimar

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Qualität der Empfindung. 
tralfarbe besitzt. Demgemäss verläuft die Curve einerseits vom Roth bis 
zum Gelbgrün (R bis <-/), anderseits vom Violett bis zum Blaugrün (F bis 
B') geradlinig, in der Gegend des Grün aber ist sie gebogen. 
Die Modificationen, welche der Farbencurve gegeben werden müssen, 
um das Verhalten der Farben in Mischungen auszudrücken, führen un¬ 
mittelbar zur Ergänzung derselben durch die gleichzeitige Darstellung der 
möglichen Sättigungsgrade. Bleiben wir beim Farbenkreis stehen, so lässt 
sich der Mittelpunkt desselben, in welchem sich alle je zwei Complementär- 
farben verbindende Durchmesser schneiden, als der Ort des Weiss betrach¬ 
ten (Fig. 88). Die verschiedenen Siitligungsstufen einer Farbe liegen dann 
sämmtlich auf dem Halbmesser, welcher die der gesättigten Farbe ent¬ 
sprechende Stelle der Peripherie mit dem Mittelpunkte verbindet. Denkt 
man sich den ganzen Kreis in einzelne Ringe getheilt, so enthalten diese 
von aussen nach innen immer weisslichere Farbentöne, innerhalb jedes 
Ringes findet aber ein ebenso stetiger Uebergang der einzelnen Farbentöne 
in einander statt wie bei den die Peripherie einnehmenden gesättigten 
Farben. Man hat also zweierlei stetige Uebergänge: einen in Richtung des 
Halbmessers von den gesättigten zu den minder gesättigten Farbentönen, 
und einen zweiten in Richtung des Winkelbogens von eniem Farbenton 
zum andern. Je kleiner der auf denselben Winkelgrad fallende Rogen wird, 
d. h. je mehr man sich dem Mittelpunkt nähert, um so kleiner werden 
die Unterschiede der Farbentöne, bis sie endlich im Mittelpunkt ganz auf¬ 
hören, denn hier stellt das Weiss für alle Farben zugleich das' Minimum 
der Sättigung dar. Wie demnach die Farbentöne für sich genommen ein 
Continuum von ein er /so bilden sie im Verein mit den Sättigungsgraden 
betrachtet ein Continuum von zwei Dimensionen, und wie die Kreis¬ 
linie die Farbenlöne, so stellt die Kreisfläche sie und ihre Sättigungen 
in der einfachsten Form dar. Auch hier reicht jedoch die Kreisfläche nicht 
aus, wenn die dargestellte Form zugleich die quantitative Seite des Mischungs¬ 
gesetzes ausdrücken soll, sondern dann wird das Farbensystem durch die 
von der Curve in Fig. 90 umgrenzte Fläche versinnlicht. Der Schwerpunkt 
W ist hier der Ort des Weiss , und auf den Geroden, die von der Peri¬ 
pherie der Curve nach dem Punkte W gezogen werden, liegen die weiss- 
lichen Farbentöne. Die so gewonnene Farbenfläche hat dann nicht bloss 
für die Mischung der Complementärfarben zu Weiss, sondern überhaupt 
für die Entstehung beliebiger Mischfarben aus einfachen Farben ihre Be¬ 
deutung. Der an der Stelle f gelegene Farbenton z. B. wird durch Mischung 
zweier Farben R und B erhalten, deren Intensitätsverhältniss durch die 
Gleichung R. R f — B. Bf gegeben ist; der nämliche Farbenton kann aber 
noch aus andern Farben, deren Verbindungslinien sich in f schneiden, 
gewonnen werden, z. B. aus V und G ', wobei wieder V. V f = G'. Gf
        

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