Volltext: Ueber binaurale Schwebungen (19)

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Paul Rostosky. 
in der Starke des Andrückens zu vermeiden. Eine Aenderung der 
momentanen Phasendifferenz zweier zu den Kopfknochen geleiteter 
qualitativ gleicher Reize bietet jedenfalls noch größere Schwierig¬ 
keiten und ist nicht ohne sehr complicirte Einrichtungen zu erzielen. 
Solche hätten aber überhaupt nur in der Aussicht auf eine erfolgreiche 
Analyse der hier auftretenden Erscheinungen einen Sinn. Dieser steht 
aber der Umstand entgegen, dass jeder Reiz, an welcher Stelle des 
Schädels er auch zugeleitet werden mag, unvermeidlich beide Gehör¬ 
organe in einem Stärkeverhältniss erreicht, welches charakteristische 
Erscheinungen des monotischen Hörens nicht mehr hervortreten lässt. 
Dabei ist die natürlich mit der Applicationsstelle wechselnde Intensitäts¬ 
und Phasendifferenz, mit welcher der Reiz zu beiden Gehörorganen 
gelangt, nicht im entferntesten anzugehen, geschweige denn zu regeln. 
Damit ist nun aber dieser Art der Reizzuführung keineswegs das Urtheil 
gesprochen ; obgleich wir nämlich hier immer nur complexe Erscheinungen 
vor uns haben werden, so können uns dieselben doch, sobald uns andere 
Wege zu einem Yerständniss ihrer Grundzüge geführt haben, sehr 
werthvoll sein, indem sie vielleicht lehrreiche Modificationen aufweisen. 
Bei meinen Untersuchungen unterstützten mich neben einigen 
anderen Reagenten regelmäßig die Herren Prof. Dr. Külpe, Prof. 
Dr. Meumann und Dr. Punk, die ja als vorzügliche Beobachter, 
namentlich auch auf akustischem Gebiete, bekannt sind. Die sub¬ 
tilsten Versuche, besonders diejenigen mit leisesten Tönen, bei denen 
der schwächste Laut, das Rauschen unserer Kleidung hei der geringsten 
Bewegung oder das schwache Geräusch einer Gasflamme, ja sogar das 
Ticken unserer Taschenuhren die Beobachtung oft geradezu zerstören 
konnte, wurden Nachts von 12 bis 2 Uhr angestellt; da saßen wir, 
der Reagent und der Experimentator, in halbdunklem Zimmer während 
der Beobachtungen regungslos, oft mit angehaltenem Athem. Ein 
stummes Zeichen des Reagenten deutete diesen oder jenen wichtigen 
Moment im Verlaufe der Beobachtungen an. Und wenn sie beendigt 
waren, da begann der Austausch der Erfahrungen im Flüsterton; 
über ein lautes Wort wären wir ja erschrocken. 
Den genannten Herren, welche sich bei diesen Zeilen vielleicht 
jener eigenartigen Situationen erinnern werden, sei noch an dieser 
Stelle für ihre liebenswürdige Aufopferung bei den anstrengenden 
Versuchen mein herzlichster Dank dargebracht.
	        
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