Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Objectivirung und Subjectivirung von Sinneseindrücken
Person:
Külpe, Oswald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4577/47/
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Oswald Külpe. 
dass ein Phänomen sowohl ohjectiv, als auch subjectiv sei, also beide 
Beziehungen gleichzeitig zulasse, und nur die Grenze zwischen ihnen 
nicht genau festgestellt werden könne. Vielmehr sind sie, wie ich 
immer wieder constatiren konnte, entweder der Ausdruck für die Un¬ 
sicherheit darüber gewesen, ob ein Phänomen vorhanden sei oder nicht 
— relativ seltene Fälle, die ich in die Tabellen nicht aufgenommen 
habe — oder der Hinweis auf einen Zweifel gegenüber der sub- 
jectiven oder objectiven Natur eines Eindrucks. Wenn ferner Grosch 
und Pace gelegentlich bemerkten1), dass sie eine Vermischung 
von subjectiven und objectiven Erscheinungen beobachteten, so bezog 
sich dies auf Fälle, wo verschiedene Flecken, Streifen, Punkte u. s. w. 
zusammentrafen und die einen für subjectiv, die anderen für objectiv 
gehalten werden konnten. Dagegen hat es sich niemals ereignet, dass 
b$i einem und demselben Phänomen a gleichzeitig beide Beziehungen 
angewandt worden wären. Ein solches Verfahren ist nun zweifellos 
denkbar. Wenn die Begründer der neueren Naturwissenschaft und 
Philosophie die Sinnesqualitäten subjectivirten und die räumliche Form 
objectivirten, so haben sie in der That denselben Eindruck auf ein 
Object und ein Subject bezogen. Aber diese Unterscheidung ist eine 
künstliche und theoretische geblieben, die auf die Praxis keinen 
Einfluss gewonnen hat. Man kann es eben den Sinnesphänomenen 
nicht anselten oder anfühlen, was an ihnen subjectiv und objectiv ist. Um 
diese Antheile feststellen zu können, bedarf man einer mehr oder weniger 
umständlichen und mühsamen Untersuchung, die uns nur langsam in 
Naturwissenschaft und Psychologie hat erkennen lassen, was auf die 
eine und was auf die andere Seite gehört. Wir wissen jetzt, dass 
auch jene Einsicht in die Subjectivität der Sinnesqualitäten keine 
vollständige und abschliessende war, dass vielmehr alles an den 
Sinneseindrücken, die sich auf objective Reize beziehen lassen, zugleich 
eine subjective Seite hat, die räumliche Form nicht minder, als die 
Qualität oder Intensität der Empfindung. 
Dasselbe Resultat ergibt sich, wenn wir die Motive der Sub- 
jectivirung und Objectivirung mustern, die sich bei unseren Beobach¬ 
tungen den Vp dargeboten haben. Eine gleichzeitige Beziehung eines 
und desselben Eindrucks auf ein Object oder das Subject ist offenbar 
1) Ygl. S. 532.
        

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