Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Objectivirung und Subjectivirung von Sinneseindrücken
Person:
Külpe, Oswald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4577/44/
Ueber die Objectivirung und Subjectivirung von Sinneseindrüeken. 551 
oder gar vorbildliche abzulehnen. Dass man im Dunklen äusserst 
schwache Lichtreize zuweilen nicht erkenne, sie mit rein subjectiven 
Empfindungen verwechsle oder wenigstens über ihre Beschaffenheit 
in Zweifel gerathe, das sei begreiflich genug. Normaler Weise da¬ 
gegen habe man es mit einer gegliederten Mannigfaltigkeit sichtbarer 
Gegenstände zu thun. Da kommen solche Irrthümer oder auch nur 
Bedenken überhaupt nicht vor. Mein ganzes Unternehmen habe 
daher nur den zweifelhaften Werth zu zeigen, wie sich die Objecti¬ 
virung und Subjectivirung unter so ungünstigen, der Wirklichkeit des 
Lebens nicht entsprechenden Umständen verhalte. Aehnlich könnte 
von den Hautsinnversuchen gesagt werden, dass sie keine Beziehung 
zu dem Verfahren aufweisen, welches wir normaler Weise Tastein¬ 
drücken gegenüber einschlagen. Bewegungen des berührten Gliedes 
oder eines anderen zum Nachweis der Objectivität, auch die sonst 
regelmäßige Contrôle eines Sinnes durch den anderen seien aus¬ 
geschlossen gewesen. 
Solchen Einwänden soll nicht wieder mit allgemeinen Erörterungen 
über den Werth experimenteller Untersuchungen, die dahei noth- 
wendige Vereinfachung der Probleme u. dgl. m. begegnet werden. 
Sie wären berechtigt, wenn ich alle bei unseren Versuchen beobachteten 
Erscheinungen unterschiedslos verallgemeinert hätte oder wenn ich ihre 
Tragweite blind überschätzen wollte. Statt dessen ist auf die ein¬ 
schränkende Bedeutung der besonderen Versuchsumstände wiederholt 
hingewiesen worden. Aber es fehlt auch nicht ganz an gemeinsamen, 
über sie hinausführenden Momenten und an Ergebnissen von allge¬ 
meinerer Tragweite. Zu den letzteren rechne ich insbesondere die 
Thatsache, dass die Irrungen und Bedenken bei einem Iteiz wer the 
unterhalb der von uns definirten Schwelle ihr Maximum erreichen 
und bei übermerklichen der Null zustreben. Man wird dies Ergebniss 
nicht bedeutungslos nennen können, insofern es erst exacte An¬ 
gaben über das normale Verhalten hinsichtlich der Sub¬ 
jectivirung und Objectivirung ermöglicht. Die Hallucinationen, 
bei denen subjective Eindrücke fälschlich objectivirt werden, sind 
damit als abnorme, pathologische Erscheinungen charakterisirbar, 
weil die normalen Irrungen nicht continuirlich in sie übergehen, son¬ 
dern durch die Kluft übermerklicher 'Reizunterschiede von ihnen ge¬ 
trennt sind. Wir lassen dabei ganz dahingestellt, inwiefern in der
        

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