Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Objectivirung und Subjectivirung von Sinneseindrücken
Person:
Külpe, Oswald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4577/17/
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Oswald Kiilpe. 
davon äußert sich der Einfluss der Einwirkungsdauer in individuell 
entgegengesetzter Form. Während bei Grosch, Pace und Schlei¬ 
mer die relative Anzahl der Or mit wachsender Zeit ab¬ 
nimmt, ist dagegen bei Warren und Meumann die umgekehrte 
Tendenz zu beobachten. Nun kann ja innerhalb gewisser Grenzen 
die längere Dauer ähnlich wie eine größere Intensität des Reizes 
wirken, wie die Versuche von Exner u. A. gelehrt haben. Doch ist 
nicht anzunehmen, dass diese Erscheinung hier, wo es sich um relativ 
große Zeiten handelt, eine Rolle spielt. Wir werden vielmehr eine 
Eigenthümlichkeit unserer Experimente heranziehen müssen, um diese 
Thatsachen zu erklären. Bei kürzerer Einwirkungsdauer war im All¬ 
gemeinen die Geschwindigkeit des Eintretens und Verschwindens der 
Reize eine größere, als hei längerer Einwirkungsdauer. Nun ist die 
Plötzlichkeit des Erscheinens und Aufhörens namentlich für die Vp 
Grosch und Pace ein wiederholt angegebenes Motiv der Objectivi- 
rung gewesen. Beide haben sich nach eigener Aussage hauptsächlich 
auf dieses Merkmal gestützt, wenn sie ein Phänomen für ohjectiv 
erklärten. Insofern nun dies Merkmal thatsächlich den Reizen von 
kürzerer Einwirkungsdauer in höherem Maße zukam, als denen von 
längerer, musste unter sonst gleichen Umständen die richtige Objecti- 
virung dort erleichtert sein. Bei Warren und Meumann ist zwar 
dieses Motiv auch gelegentlich wirksam, aber nicht von so maßgeben¬ 
der Bedeutung gewesen. Statt dessen ist Meumann von der An¬ 
schauung beherrscht, dass die objectiven Phänomene durch eine längere 
Dauer vor den subjectiven ausgezeichnet seien, und bedient sich 
Warren gern des Lidschlusses, um zu erkennen, ob er es mit ob¬ 
jectiven oder subjectiven Erscheinungen zu thun habe. Aus jener 
Annahme ergibt sich ohne Weiteres, dass die länger währenden Licht¬ 
reize für die Objectivirung einen Vorzug vor den kürzer dauernden 
haben mussten. Der Lidschluss aber bot bei längerer Reizeinwirkung 
in höherem Grade den Vortheil dar, heim Oeffnen des Auges den Reiz 
noch antreffen zu können, während die Dauer von einer Secunde 
nicht immer genügte, um dies Controllexperiment ausführen zu lassen. ') 
1) Die in der Tabelle III nicht verzeichneten Werthe für die Zeitdauer von 
10 bis 20 Sec., die ich nur bei Warren angewendet habe, betragen Z == 102, 
Or = 19X und F = 24 X und zeigen somit keine Steigerung der Or, dagegen 
eine deutliche Abnahme der F.
        

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