Bauhaus-Universität Weimar

Ueber Naturzwecke. 
425 
begriff (als Kategorie) die denkende Verknüpfung der Erfahrungs¬ 
tatsachen beherrscht. Der Umstand, dass derselbe aus der psycho¬ 
logischen Erfahrung abstrahirt worden ist, und dass man ihn nur 
unter Bezugnahme auf die Verhältnisse der menschlichen Willens- 
thätigkeit erläutern kann, beweist in dieser Hinsicht noch nichts, da 
auch der Begriff der Oausalität das Ergebniss eines an die Erfahrung 
anknüpfenden Abstractionsprocesses ist und so lange ein leeres Schema 
bleibt, als wir ihn nicht auf bestimmte, empirisch gegebene Arten des 
Geschehens anwenden. Es könnte ja sehr wohl sein, dass auch dem 
psychologischen Zweckbegriff eine Beziehungsform von allgemeiner 
Bedeutung zu Grunde läge, die sich aus der Verbindung mit den 
speciellen Thatsachen der inneren Erfahrung loslösen und auf andere 
Erfahrungsgebiete übertragen ließe. 
In der That ist der Versuch einer derartigen Verallgemeinerung 
in verschiedener Weise gemacht worden. Das roheste auf diesem 
Wege gewonnene Product ist der Begriff der Zweckursache, d. h. einer 
Ursache, deren Wirksamkeit nach Art und Größe durch den hervor¬ 
zubringenden Erfolg bestimmt wird. Dass diese Forderung einen 
Widersinn einschließt, ist einleuchtend. Ursache ist die Gesammtheit 
der für das Eintreten eines Erfolges nothwendigen und hinreichenden 
Bedingungen, Oausalität also ihrem Wesen nach eine determinatio 
a parte ante, und es heißt den Begriff derselben aufheben, wenn man 
die Bestimmung hinzufügt, dass die Ursache sich nach der hervor¬ 
zubringenden Wirkung richten solle. Bei der intelligenten Willens- 
thätigkeit ist dies ja allerdings in gewissem Sinne der Fall, aber 
dafür haben wir es hier auch nicht mit einer einfachen Causalrelation, 
sondern mit einem zusammengesetzten Geschehen zu thun, und das 
Bestimmende ist dabei nicht der Erfolg als solcher, sondern die 
vorausgehende Vorstellung desselben. Von dieser psychischen Be¬ 
dingung möchten aber die Vertheidiger der Zweckursachen (zweck- 
thätigen Kräfte, immanenten Entwicklungstendenzen u. s. w.) gerade 
abstrahiren, um den Begriff des Zweckes oder-Zieles auch auf Vor¬ 
gänge anwenden zu können, bei denen psychische Factoren nicht be¬ 
theiligt sind. Auf besserer Grundlage ruht eine andere Erwägung, 
durch die der Finalität der Bang einer der Oausalität gleichwerthigen 
Kategorie gesichert werden soll. Wenn im Sinne des auf die Totalität 
alles Seins und Geschehens angewandten Causalprincips aus der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.