Bauhaus-Universität Weimar

434 
E. König. 
petitio principii, wenn er aus der Anerkennung dieser Zweckmäßig¬ 
keit die Nothwendigkeit folgert, »auf eine zu Grunde liegende Ab¬ 
sicht zu schließen«. Mit dem hervorgehobenen Fehler verbindet sich 
in den Beweisführungen der Teleologen häufig noch ein zweiter, wenn 
die den Functionen genau und bis ins Einzelne hinein angemessene 
Structur der Organe als ein unzweifelhaftes Symptom teleologischer 
Determination angeführt wird. Dass Zähne, Schlund, Speiseröhre 
Magen und Gedärme kunstvoll und planmäßig zum Zwecke des Essens 
Schluckens, Verdauens geschaffen sind, ist nach Lieb mann ganz 
unzweifelhaft; ja dieser Philosoph geht noch weiter und nimmt (mit 
Lotze, E. v. Bär u. A.) aus demselben Grunde eine »Planmäßigkeit« 
des ganzen Universums an: planmäßig wird die Atmosphäre von der 
Gravitationsanziehung an die Erde gefesselt und kann sich nicht ins 
Unendliche verflüchtigen; Luft, Wasser und Land, physikalische und 
chemische Processe arbeiten zusammen, um das Dasein einer Pflanzen¬ 
welt zu ermöglichen, ohne welche wiederum die Thierwelt und der 
Mensch nicht existiren könnte, u. s. w.1). Diese erweiterte Form des 
Gedankens lässt aber zugleich deutlich erkennen, dass auch hier die 
Zweckbestimmung nicht sowohl aus den Thatsachen herausgelesen, 
sondern vielmehr in sie hineingelegt wird. Thatsache ist, dass die 
Existenz der Lebewelt bedingt wird durch die bestehende Anordnung 
der Stoffe und Kräfte in der unorganischen Natur; willkürlich hinzu¬ 
gefügt ist die Hypothese, dass diese Anordnung auf die Existenz der 
Lebewesen berechnet ist. Die angebliche teleologische Beziehung ist 
in Wahrheit eine causale, die dadurch, dass man dem causal beding¬ 
ten Erfolge die Bedeutung eines erstrebten Zieles unterlegt, in eine 
teleologische umgedeutet wird. Genau ebenso ist aber auch die Be¬ 
hauptung, dass die Zähne zum Kauen da sind, nur eine Um¬ 
schreibung der Thatsache, dass durch die Zähne gekaut wird. 
Dass wir nun gerade zur Bezeichnung des Verhältnisses zwischen 
Organ und Function die teleologisch gefärbte Ausdrucksweise bevor¬ 
zugen, während Niemand daran denkt, zu sagen, dass die Gewitter¬ 
wolken zum Blitzen da sind, hat allerdings seinen besonderen Grund. 
Er liegt darin, dass am Organismus uns gewisse typisch sich wieder¬ 
holende Functionen in erster Linie in die Augen fallen; indem wir 
1) Gedanken und Thatsachen, II, -2 (Straßburg 1901), S. 162, 152. 
f
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.