Bauhaus-Universität Weimar

Die Dimensionen des Raumes. 
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den Substanzen ist die eine Art ausschließlich vorhanden oder vor¬ 
herrschend. Zieht man die zweite Version vor, so lässt man den 
Causalzusammenhang durch mystische Gewalten durchbrechen, und 
es ändert gar nichts an der Sachlage, wenn man diese Gewalten 
gleich den enantiomorpher Bewegungen fähigen Atomen zuschreibt 
und diese so zu einer Art Dämonen macht. Das ist nicht mehr 
absurd als die neueste Modification der Wirbeltheorie, wonach die 
Wirbelatome die Fähigkeit besitzen, um sich herum eine materielle 
Atmosphäre zu »schaffen« oder eine solche zu »vernichten« (die Theorie 
der »Sources and Sinks«). Nur meine ich, wäre es in diesem Falle 
viel einfacher und ungezwungener, die Schöpferkraft in einer Hand zu 
lassen und an den guten alten »lieben Gott« zu appelliren, anstatt My¬ 
riaden von Dämönchen oder mikroskopischen Götterchen anzunehmen1). 
Es bleibt noch ein Einy and zu entkräften. Man könnte sagen: 
Die Enantiomorphie braucht eben so wenig causal-mechanisch erklärt 
zu werden wie die Qualität Roth oder das Gefühl der Unlust oder 
irgend eine andere psychische Thatsache. Dies ist aber ein Irrthum. 
Die psychischen Qualitäten stehen ganz außerhalb der mechanischen 
Causalreihe; sie sind vom mechanischen Standpunkte aus eine reine 
Gratisbeigabe der physischen Processe. Ob ich die Wellenlänge 
560 pp als Roth, als Gelb oder als farblos wahrnehme, das ändert 
an den Betrachtungen der physikalischen Optik absolut nichts. Die 
/'Enantiomorphie dagegen steht selbst mitten in der Reihe des mecha¬ 
nischen Geschehens. Sie ist eine Bewegungsthatsache. Die Un- 
überführbarkeit der enantiomorphen Bewegungen ist nicht 
weniger physisch und nicht mehr psychisch als die Bewegung 
überhaupt. 
Es gibt aber noch einen bequemen Ausyeg aus allen diesen 
Schwierigkeiten, ein Mittel, die einheitliche Causalität der Natur zu 
retten. Man braucht ja nur anzunehmen, dass die Natur in »Wirk¬ 
lichkeit« vier- oder mehrdimensional sei, dass uns in unserer Be¬ 
schränktheit aber nur drei Dimensionen »gegeben« seien, und dass 
es in der vierdimensionalen Welt noch viele Dinge und Verhältnisse 
1) Ich bin in der That überzeugt, dass sich in jedem Naturvorgang (auch 
ganz abgesehen von der Enantiomorphie) ein Element nachweisen lässt, das 
nicht causal bedingt und abhängig ist, sondern das sich nur aus dem Walten 
einer außerhalb aller Causalität stehenden »Freiheit« erklären lässt.
        

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