Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Vertheilung und Empfindlichkeit der Tastpunkte
Person:
Kiesow, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4574/3/
262 
Friedrich Kiesow. 
natürlich nicht zu. Wie durch mechanische konnten diese Forscher 
den Nachweis isolirter Tastapparate in der Körperhaut auch durch 
elektrische Reizung führen. Die so auf die Haut projicirharen Punkte, 
von denen aus durch minimale mechanische und elektrische Reizung 
die Tastempfindung auslösbar ist, bezeichnet Bl ix als Druckpunkte, 
welchen Ausdruck Goldscheider acceptirt und dem der Tastpunkte 
vorzieht. In Bezug auf die Haare der Körperoberfläche gelangte 
Blix zu dem Ergebniss, dass wahrscheinlich alle Haare Tast¬ 
haare seien. Diese Folgerung gründete sich auf die Beobachtungen, 
die er über die Frage anstellte, ob an behaarten Hautstellen Druck¬ 
punkte und Haarpapillen örtlich zusammenfallen oder nicht. Es er¬ 
gab sich, dass auf der Rückseite der Hand »recht viele« Druckpunkte 
zwischen den Haarfollikeln zu finden waren, dass sie aber höher auf 
den Arm hinauf mehr »spärlich« gefunden wurden und auf dem 
Oberschenkel überhaupt nicht mehr zu constatiren waren. Blix will 
aber diese Frage nicht endgültig entschieden haben, sondern lässt 
die Möglichkeit zu, dass, auch wo er gesonderte Druckpunkte sah, 
rudimentäre Hautpapillen seiner Aufmerksamkeit entgangen sein 
könnten1). Goldscheider beschreibt eine andere Anordnung der 
Druckpunkte, doch spricht auch er von Anhäufungen dieser an den 
Haaren2). 
Eine weitere Förderung erhielten diese Forschungen durch 
M. v. Frey3). Seine Arbeiten bilden chronologisch die Weiterführung 
derjenigen von Blix und Goldscheider4). Durch die von ihm ein¬ 
geführten sogenannten Reizhaare ist es nicht nur möglich geworden, 
die einzelnen Tastapparate mit größter Exactheit auf die Hautfläche 
zu projiciren, sondern auch die Empfindlichkeit jedes einzelnen Punktes 
in bisher nicht erreichter Weise zu bestimmen. Diese Messung der 
Empfindlichkeit der Tastpunkte hat, wie v. Frey zeigt, nach Span¬ 
nungseinheiten zu geschehen, d. h. durch den Reizwerth, den man 
erhält, wenn man das Gewicht, das ein solches Haar auf der 
1) A. a. O., S. 157. 
2) Ges. Abhandl., S. 192. 
3) M. v. Frey, Beiträge zur Physiologie des Schmerzsinnes und der Haut, 
1,_4. Mitth., Leipziger Berichte 1894—97. — Untersuch, über die Sinnesfunctionen 
der menschlichen Haut; Leipziger Abhandl. XXIH, HI, 1896. 
4) Auf die Arbeiten Dessoir’s wird in einem anderen Zusammenhänge ein¬ 
gegangen werden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.