Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie und Nervenheilkunde. 
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Interessen belegenen Psychosen ihre Kräfte messen, so wird das dem 
neurologischen Fortschritt so wenig schaden, wie etwa der Gegensatz 
zwischen kinetischer und energetischer Naturerklärung der Physik den 
Hals gebrochen hat. Ich finde es viel bedenklicher, wenn Moebius 
an den richtigen Satz, die Betrachtung der Hysterie führe schließlich 
zu dem Problem des psychophysischen Zusammenhanges, eine Er¬ 
örterung knüpft, die ein eigenthümliches Gemisch Schopenhauer¬ 
scher und Fechner’scher Metaphysik als die rettende Antwort auf 
die brennende Frage preist. Auch unseres Jubilars Weltanschauung 
angelt in einem metaphysischen Willensbegriff; aber er hat immer 
und erst neuerdings wieder scharf betont, dass dieser metaphysische 
Wille seiner Philosophie mit der voluntaristischen Grundlage seiner 
Psychologie an sich nichts zu thun habe, und damit jedem die Frei¬ 
heit gelassen, diese zu acceptiren und über jenen anderer Meinung 
zu sein. Mich haben* die Erwägungen über die Natur der Hysterie 
gerade im Gegensatz zu Moebius dahin geführt, für den psycho¬ 
physischen Zusammenhang eine aller metaphysischen Speculation, ja 
aller philosophischen Debatte nach Möglichkeit entzogene Formel zu 
suchen, und sie schien mir in der Function gegeben, die es der 
Nervenheilkunde möglich macht, von physiologischen Forschungen 
dereinst eine Aufhellung vieler auf psychologischem Wege unlös¬ 
barer Fragen über die psychischen Alterationen der Hysterischen zu 
erhoffen. 
Die Nervenheilkunde hat viel mit der Anatomie und auch mit 
dem Localisationsstreite zu schaffen. Gerade hierin aber ist die 
Stellungnahme der Psychologie von gegnerischer Seite immer miss-' 
verstanden worden. Wenn man dort meint, es gebreche der Psycho¬ 
logie an der Kraft oder Neigung, sich mit beiden Füßen auf den 
Boden der materiellen Welt zu stellen, so ist das eine Anschuldigung, 
die niemanden weniger trifft, als unsern Jubilar. Wer die Localisa¬ 
tion der Functionen und ein Centrum der Apperception, soweit diese 
auf die Empfindungen verändernd wirkt, fordert, ist über jene Ver¬ 
dächtigung ein für allemal erhaben. Was die Psychologie am Loca- 
lisationsstreite tadeln muss, was sie veranlasste, sich von ihm ganz 
abzukehren, ist lediglich die Ausfechtung dieser Kämpfe mit den 
längst verrosteten Waffen, die dem Arsenal der Vulgärpsychologie 
entnommen sind. Und die — wenn alle anderen Hoffnungen fehl- 
Wundt, Philos. Studien. XIX . te
        

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