Bauhaus-Universität Weimar

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Willy Hellpach. 
Entdeckung der Neurasthenie hebt das Zeitalter der »Neurosen« an; 
damit beginnt zugleich die Psychologie in der Nervenheilkunde eine 
Rolle zu spielen — wenn es auch manchmal eine recht seltsame 
Psychologie zu sein scheint. 
Allerdings ist die Zugehörigkeit der Hysterie, der Neurasthenie 
und der mit der Hysterie so oft in einem Athem genannten hypno¬ 
tischen Erscheinungen zum Ressort des Neuropathologen eine sehr 
bestrittene; vielleicht erhält sie sich überhaupt nur aus dem prak¬ 
tischen Grunde, dass der Neuropathologe zugleich Nervenarzt ist. 
Das Irresein steht bei den Laien immer noch in einem unerfreulichen 
Geruch, während das Sprechzimmer des Nervenarztes für viele Men¬ 
schen etwas unbestimmbar Anziehendes hat. Auch pflegt der Un¬ 
kundige die Schwere einer psychischen Erkrankung gewöhnlich nach 
der Deutlichkeit der intellectuellen Störungen abzuschätzen, eine ein¬ 
zige Sinnestäuschung bedeutet ihm viel mehr, als die tiefste Depres¬ 
sion der Gefühlslage, und während man sich das Loos eines Menschen, 
der »den Verstand verliert«, in den schwärzesten Farben malt, wird 
der Gemüthskranke weniger hoffnungslos beurtheilt: »Verstimmungen« 
rangiren noch hei den »Nerven«, und an den »Geist« denkt man erst 
hei Hallucinationen und Wahnideen. Daraus erklärt es sich, dass 
Hysterische und Neurastheniker fast ausschließlich vom Nervenarzt 
in größerer Anzahl beobachtet werden — oder von solchen Irren¬ 
ärzten, die gleichzeitig nervenärztlicher Praxis obliegen — dass die 
meisten Veröffentlichungen über beide Krankheiten von Nervenärzten 
stammen, und wir auch das weitere Studium dieser »Neurosen« vor¬ 
züglich von nervenärztlicher Seite zu erwarten haben. Von einer 
Reihe leichterer psychopathischer Behaftungen, die ja überall Aeuße- 
rungen der erblichen Entartung sind, gilt das Nämliche, und da die 
Hypnose in diesen Dingen am meisten ihre heilende Kraft bewähren 
soll, während die meisten Geisteskranken nach dem Urtheil der er¬ 
folgreichsten Hypnotisten sehr schwer einzuschläfern sind, so reiht 
auch sie sich den Erscheinungen an, die grundsätzlich bei ihrem vor¬ 
wiegend psychischen Symptomencomplex den Irrenarzt beschäftigen 
sollten, thatsächlich jedoch der Nervenheilkunde sich einfügen. Da 
aber psychischen Vorgängen nur auf dem Wege psychologischer Be¬ 
trachtung und Analyse ein Verständniss abzugewinnen ist, so gilt 
die Feststellung, dass der Nervenarzt zum guten Theil auch Psycholog
        

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