Volltext: Roger Bacon‘s Stellung in der Geschichte der Philologie (19)

Roger Bacon’s Stellung in der Geschichte der Philologie. 
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Das technische Ideal ist die correcte Handhabung des Lateinischen, 
und das correcte Yerständniss der lateinischen Werke, vor allem 
der Yulgata. Das Mittel zu diesem Zweck war ein mechanisches 
Studium besonders des Priscian, ein mechanisches Oopiren seiner 
Definitionen und die weitschweifige Interpretation derselben. 
Die hauptsächlichsten Repräsentanten dieser »Studien« sind: Remi 
d’Auxerre, Petrus Helias, Alexander de Villa Nova, Everard 
de Bethune, Robert Kilwardby1) und der Ausschreiber Vincent 
de Beauvais und die Lexicographen Papias, Hugutio, Brito 
und später Johannes de Janua2). 
Ein Fortschritt der philologischen Studien konnte nicht von diesen 
Ausschreibern kommen, er musste von selbständigen Denkern aus¬ 
gehen, welche nicht mit der Überlieferung zufrieden waren, welche 
ihre Inspiration und ihre Ideale nicht ausschließlich bei Donat und 
Priscian fanden, sondern entweder zum klassischen Alterthum selbst 
zurückgriffen, oder wenigstens bei den frühesten Kirchenvätern Methode 
lernten, oder schließlich selbständig zu denken wagten. 
Die drei größten Namen dieser fortschrittlichen Bewegung sind 
diejenigen von Johann v. Salisbury, Roger Bacon und Dante. 
Johann v. Salisbury hatte seinen philologischen Eifer von seinen 
großen Lehrern: Wilhelm v. Conches und Bernardus Sylvester3). 
Als Gelehrter ist er ein humanistischer Schüler der Alten, aber sein 
kritischer Geist ist durch seine Bewunderung des klassischen Alter- 
thumes nicht unterdrückt und keinesfalls durch kirchlichen Autoritäts¬ 
glauben eingeengt: Mit Spott gedenkt er der Zeit, in der er als 
Knabe gelehrt wurde, als Spiritus ubique quaerebatur, littera 
nihil erat4); und mit offenbarer Liebe bezeichnet er die Lehrmethode 
des Bernardus (und seine Bemerkungen sind offenbar auch hier 
kritisch gegen die quidproquos der »vielfältigen« Schriftdeutung ge¬ 
richtet): Vocabulorum simpliciter aperiantur significationes, 
littera suaviter excutienda, non more captivorum acerbe 
1) Vgl. Thurot, Notices et Extraits etc., XXII. Paris 1868. 
2) Von Thurot nicht behandelt. 
3) Von diesen hatte er seine hohe Meinung vom Sprachstudium, Metal. Ic. 24; 
bereits bei Reuter, Geschichte der rel. Aufklärung 2, 7; und die Stelle aus 
Will, de Conches bei Thurot 17. 
4) Metal. Ic. 3.
	        
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