Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Roger Bacon‘s Stellung in der Geschichte der Philologie
Person:
Flügel, Ewald
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4571/2/
Roger Bacon’s Stellung in der Geschichte der Philologie. 
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mouvements, les formes si variées du discours exercent sur 
les habitudes et les opinions des peuples. 
Um zu einer erneuten Prüfung der Ansprüche zu schreiten, welche 
Bacon hat in der Geschichte der mittelalterlichen Philologie erwähnt 
zu werden, wäre es nöthig, zunächst die Vorgeschichte philologischer 
Studien während des früheren Mittelalters zu geben, welche nicht 
möglich ist ohne wenigstens kurze Charakterisirung der philologischen 
Studien der frühesten christlichen Jahrhunderte. 
Augustin und Hieronymus stehen an der Spitze der frühesten 
christlichen Philologen, nicht als unabhängige Denker und Forscher, 
sondern als Repräsentanten der linguistischen Lehren des Alterthums, 
als Vertreter der griechisch-römischen Traditionen auf der einen Seite 
und Meister biblischer Studien auf der anderen. Allgemeine Fragen, 
wie nach dem Ursprünge der Sprache treten bei ihnen in den Hinter¬ 
grund; Augustin erklärt diese Frage für unnöthig und eitel (nimis 
curiosa et non nimis necessaria)1 ), als eine Frage außerdem, welche 
für ihn genügend durch die Bibel beantwortet ist. Mit scharfem 
Spott citirt er die verschiedenen Meinungen der Interpreten über den 
Ursprung der Worte, die so weit von einander ab wichen wie die Mei¬ 
nungen der Traumdeuter2). Er kennt die Ansicht der Stoiker und 
Cicero’s Kritik derselben, und bemerkt, dass die Ansicht derjenigen, 
welche verbum a verum boando ableiteten, vielleicht weiter von der 
Wahrheit entfernt sei, als alle Anderen. Selbst wenn die Sprache 
eine göttliche Offenbarung ist, menschlich nur insoweit das physio¬ 
logische Material geht, so ist für Augustin die Verschiedenheit der 
Sprache ein göttlicher Fluch3), und die Schwierigkeiten, welche die 
Bibelerklärung darbietet, eine göttliche Strafe für menschlichen Hoch- 
muth4). Der göttliche Wille bleibt verborgen, den der Mensch im 
günstigsten Falle nur ahnen kann. 
Jedenfalls zu vermeiden ist der servitus miserabilis animae signa 
pro rebus accipere5); glücklich die Zeit, wenn linguae cessabuntß). 
Freilich nicht immer scheint Augustin die Sprachen als Zeichen 
des göttlichen Zornes aufzufassen und eine mildere Auffassung scheint 
1) Principia Dialecticae c. 6, Opera ed. Migne 1, 1409 ff. 
2) Ibidem. 3) Ibid. 4, 636. 
4) Ibid., vgl. auch De Doctr. Christ. 2, 6. 
5) De Doctr. Christ. 3, 5. 6) Ibid. 1, 39.
        

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