Bauhaus-Universität Weimar

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Ewald Flügel. 
Setzung gewahrt sei, so ist doch die sachliche Interpretation durch Un- 
kenntniss gefährdet (propter sensus falsitatem, etsi litera esset 
verissima), dies zeige sich in der Theologie, der Philosophie, der 
Medicin (Unkenntniss der Synonyma!), und den »Geheimen Wissen¬ 
schaften«. 
8.1) Der achte und letzte Grund (ratio scientialis), aus welchem 
die Nothwendigkeit der Sprachenkenntniss hervorgeht, ist die That- 
sache, dass alle lateinische Grammatik aus dem Griechischen und 
Hebräischen abgeleitet sei; nicht nur die Buchstaben stammen von 
den Griechen, sondern die grammatische Methode und schließlich das 
theologische und philosophische Vocabular des Lateinischen. 
Und wenn viele glaubten, dass diese vielen Fremdwörter im Latein 
auf lateinischem Boden gewachsen seien, so irrten sie in der Aus¬ 
sprache, in der Rechtschreibung, in der Erklärung, und es sei keines¬ 
wegs nur ein geringfügiger Wortirrthum, sondern ein Irrthum, der 
zu falschem Redegehrauch, zu falschen Sätzen, zu falschen Schluss¬ 
folgerungen führe. Bacon stützt sich auf Aristoteles und Boe¬ 
thius und verlangt von genauer Wortkenntniss auszugehen. Er citirt 
einige Beispiele solcher nur als Fremdwörter zu erklärender lateini¬ 
scher Worte, für deren vollständige Aufzählung ein großer Band 
kaum ausreichen würde: ein etymologisches Wörterbuch der 
lateinischen wissenschaftlichen Fremdwörter (wozu er im 
Comp. St. 441 ff. den Anfang machte), ein Wörterbuch der voca- 
hula singularum scientiarum et maxime theologiae et me- 
dicinae, quo volumine nihil esset utilius, si vocabulorum 
omnium recta scriptura ac pronunciatio débita cum fideli 
derivatione et recta interpretatione probarentur (S. 86). 
Diesem Idealplane fügt er nähere kritische Bemerkungen bei, welche 
allerdings kein neues Princip enthalten, aber für das spätere Mittel- 
alter zum ersten Mal in scharfer Fassung aufgestellt wurden: 
1. Bei Etymologien sei die Zeitfolge der Sprachen (ordo linguarum) 
zu bedenken (quod prior lingua non recepit interpretationem posterio¬ 
ns). Bacon beruft sich hier2) auf Hieronymus Lib. Hehr. Quaest3). 
1) Vergessen im Op. Tert., der sechste Grund im Comp. St. 464. 
2) Im Comp. St. 449 beruft er sich auf Servius, s. unten. 
3) Der sich seinerseits auf den gesunden Menschenverstand beruft: Unde 
Graecum non oritur ex Latino, nee Hebraicum e Graeco etc.
        

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