Volltext: Die sprachwissenschaftliche Definition der Begriffe “Satz“ und “Syntax“ (19)

Die Sprachwissenschaft.!. Definition d. Begriffe »Satz« u. »Syntax«. 95 
A. Bedeutungssyntax des Sprechenden. 
In einen allgemeineren Zusammenhang gestellt, haben wir es hier 
mit einem der von mir sogenannten ontogenetischen Probleme 
der Sprachwissenschaft, speciell der Sprachpsychologie zu thun, d. h. 
mit einem jener Probleme, die sich an sprachliche Leistungen knüpfen, 
bei deren Vollzug der Vollzieher als momentan von der Sprech- 
thätigkeit seiner Umgebung unabhängig gedacht werden kann: während 
ich einen Satz ausspreche, und um so mehr während ich ihn in »innerer 
Sprache« concipire, braucht mir dazu, wie ich ihn ausspreche, bezw. 
wie ich ihn in »innerer Sprache« concipire, Niemand sprachlich nach¬ 
zuhelfen. Es hängt also wesentlich nur von der psychophysischen 
Gegenwart und Vergangenheit des eben Sprechenden ab, wie der Satz 
ausfällt, und dadurch eben wird das Problem zu einem ontogenetischen. 
Die Bedeutung des Satzes, um diese vorerst nur ganz allge¬ 
mein zu definiren, umfasst stets nur einen Theil der gegenwärtigen 
psychophysischen Thätigkeit des Sprechenden, und zwar denjenigen 
Theil, welchen er (abgesehen von der gleich zu nennenden Lautung) 
in eine, bezüglich ihrer Eigenart noch näher zu bestimmende Endapper- 
ception einbezieht; die Lautung, d. h. in diesem Falle das als Aus¬ 
drucksmittel eventuell (vgl. S. 118, Z. 5ff.) bereits während der Be- 
deutungssyntaxirung reproductiv (als Theil der »innern Sprache«) 
»anklingende« Lautgebilde kann nämlich ebenfalls zum Gegenstände 
eines oder mehrerer gesonderter Apperceptionsakte werden (wie ja 
auch der Sprechende beim thatsächlichen Sprechen »auf seinen Aus¬ 
druck achten« kann), muss es aber nicht, indem sie auch entweder 
1. ganz oder zum Theil gleichzeitig mit der Bedeutung, oder auch 
2. gar nicht appercipirt werden kann ; ersteres ist sogar die Regel und 
wird besonders deutlich beim Ausdruck abstracter Begriffe, die nur 
durch Wortvorstellungen im Bewusstsein repräsentirt sind, letzteres 
ist wohl stets der Fall, wenn man unmittelbar nach dem Sprechen 
nicht mehr genau weiß, wie man sich ausgedrückt hat, und nur im 
allgemeinen noch den Thatbestand gegenwärtig hat, der Substrat 
der Rede gewesen war. — Wenn wir, die eben gegebene Definition 
der Satzbedeutung im Auge behaltend, den psychologischen Bestand 
dessen überblicken, was überhaupt als Bedeutung irgendwelcher 
Lautung fungiren kann (und dies ist nichts weniger als jeder
	        
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