Volltext: Die sprachwissenschaftliche Definition der Begriffe “Satz“ und “Syntax“ (19)

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Ottmar Dittrich. 
beschaffen sei und welche weitere Wirkung ihr zugeschrieben werden 
müsse. Der letztere Theil der Frage ist einfacher zu beantworten 
als der erstere: die Lautungswahmehmung ist als eine wesentlich 
associativ, also für die Bedeutungsapperceptionen nur vorbereitend 
wirkende Componente des Yerständnissprocesses anzusehen: sie ist 
es, welche bestimmend auf das Zustandekommen des Thatbestandes 
wirkt, aus welchem, zugleich infolge der Motivwirkung der mit Un¬ 
verbundenen Gefühlscomponente, apperceptiv die syntaktische Be¬ 
deutung herausgehoben wird, zu der sie dann als Lautung corre- 
spondirt. Es können nun natürlich auch im Anschluss an die Apper¬ 
ception der Bedeutungsglieder Wortlautungsapperceptionen stattfinden, 
wodurch außer der Correspondenz zwischen der Satzbedeutung und 
der Satzlautung als Ganzes auch Theilentsprechungen semantophone- 
tischer Natur, d. h. solche zwischen Wortbedeutungen und Wort¬ 
lautungen im Bewusstsein des Hörenden klar und deutlich werden; 
aber solche Apperceptionen sind nicht direct durch die Lautungs¬ 
wahrnehmung, sondern erst indirect durch die gelegentlich der Be- 
deutungstheilapperceptionen nebenbei eintretenden Associationen der 
Bedeutungstheile mit früheren analogen Bedeutungstheilen und deren, 
dort aber deutlicher abgegrenzt gewesenen phonetischen Entsprechungen 
hervorgerufen: so können dann von dem ursprünglichen Fall aus, 
dass Wortscheidungen durch das Uebereinstimmen semantischer und 
phonetischer Gruppen innerhalb gewisser Sätze (z. B. Bedeutung 
»Beiter« mit Sprechtact raifor), ganz abgesehen von anderen Motiven 
(vgl. Wundt, Völkerpsych. I, S. 563 ff.), begünstigt werden, nun auch 
zuerst nur rein oder ganz vorwiegend phonetisch in Sprechtacten oder 
auch nur in einem Sprechtact dem Hörenden dargebotene Lautungen 
indirect vom Hörenden im Anschluss an die Bedeutungsauffassung 
in Worte, also in Vertreter einer semantophonetischen Kategorie ge¬ 
gliedert werden, wodurch in das drhataßpü%\ er hat daß bu% »hinein¬ 
gehört« wird; aber es bedarf dazu der Mitwirkung anderer Motive, 
unter denen der Wunsch, sich die nicht aufs erstemal ganz deutlich 
gewordene Lautung oder einzelne Theile der Bedeutung klarer und 
deutlicher zu machen, das häufigste und wichtigste sein dürfte; die 
Begel ist aber ein solcher nachträglicher Verdeutlichungsprocess mit 
Wortapperceptionen durchaus nicht, und ich kann mir auf Grund 
des eben Gesagten sehr wohl vorstellen, dass es Sprachen gebe, denen
	        
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