Volltext: Die sprachwissenschaftliche Definition der Begriffe “Satz“ und “Syntax“ (19)

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Ottmar Dittrich. 
sind kaum nöthig, ich erwähne nur das was? auf eine undeutlich 
gehörte Rede hin, sowie das isolirte erstaunte du?, wenn der Spre¬ 
chende Jemand trifft, wo er ihn nicht erwartete, und gleichsam seinen 
Augen nicht traut, ferner er? nach der Behauptung er war's. Ueber- 
all tritt bei diesen Gebilden deutlich die syntaktische Bedeutung 
»Gefühl des Zweifels in Beziehung auf eine Vorstellung« hervor, die 
entweder kategorial in Form eines allgemeinen Fragewortes oder 
concreter in Form irgend eines anderen Wortes [Karl?, der?, gut?, 
blau?, siebzehn?, etc.) ihren besonderen Ausdruck erhält. — B) lieber 
die Impersonalia wie pluit, tonat, uei, ßpovrq, piove u. s. w. brauche 
ich gemäß ihrer jetzt wohl allgemein anerkannten Bedeutung, die in 
einem Urtheil mit unbestimmtem Subject besteht, kein Wort mehr zu 
verlieren. — C) Bezüglich der Imperative komm!, kommt! finde 
ich mich in ziemlicher Uehereinstimmung mit Wundt (Völkerpsych. II 
S. 251) *) : es handelt sich hier um den Ausdruck einer gewollten 
Handlung der einen oder der mehreren Personen, an welche die Auf¬ 
forderung gerichtet ist; der Sprechende kann darin eingeschlossen 
sein [allons!). Gebilde wie hinaus!, hierher!, zurück! betrachtet jedoch 
Wundt wiederum nicht als Sätze, sondern nur als Satzäquivalente, 
»indem sie durch Association mit den hinzuzudenkenden Imperativ¬ 
formen die Function von Sätzen übernehmen können«. Ich möchte 
auch hier mehr Gewicht auf die Gemüthshewegungsseite der Imperativ¬ 
bedeutung legen, die eine ganz besondere ist: das Wollen, um das 
es sich hier handelt, ist ein Wunsch, und bedarf einer genaueren 
Definition. Wundt hat diese selbst in einer auch für unseren nächsten 
Zweck außerordentlich förderlichen Weise in seinen Vorlesungen 
über die Menschen- und Thierseele 3, S. 245 gegeben: »bleibt der 
subjective Zustand auf eine bloße Lust- oder Unluststimmung be¬ 
schränkt, die sich mit verschiedenen Graden von Erregung oder Be¬ 
ruhigung verbinden kann, so reden wir von einem eigentlichen Gefühl ; 
tritt dazu noch die in bestimmten Spannungsgefühlen sich kund¬ 
gebende Richtung auf einen zukünftigen Erfolg, so nennen wir den 
inneren Vorgang ein Streben oder einen Trieb; werden wir uns außer¬ 
dem hei diesem Streben irgendwelcher Hemmungen bewusst, die ein 
unmittelbares Uehergehen desselben in ein Wollen [d. h. dessen letztes 
1) Völkerpsych. I, S. 307, lässt sie "Wundt freilich noch nicht als Sätze gelten, 
sondern nur als »Wortformen mit Affectbetonung«.
	        
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