Volltext: Zur Psychologie der gebundenen und der freien Wortstellung (19)

48 P- Barth, Zur Psychologie der gebundenen und der freien Wortstellung. 
sirung der Wortstellung der andern europäischen Sprachen in den 
rein germanischen Idiomen, im Deutschen sowohl wie in den neu¬ 
nordischen Sprachen eine noch sehr weitgehende, besonders in der 
Poesie fast unbeschränkte Freiheit antreffen, wenn wir die Germanen 
auch sonst, besonders im Mittelalter, in starker Individualität jedem 
schablonisirenden Zwange, wie dem des Staates widerstrebend finden, 
so sind wir wohl berechtigt, die starke Individualität als einen Grund¬ 
zug des germanischen Volkscharakters anzusehen, der auch in der 
Sprache zu Tage tritt, indem jeder der Schablonisirung des Ausdrucks 
seiner Gedanken widerstehen will, wie der Schablonisirung seiner 
Gedanken selbst. »Jeder, sei er auch welcher er wolle, hat so ein 
eigenes Fürsich, das er sich nicht gern möchte nehmen lassen« sagt 
Goethe1) von den Deutschen. 
Und wie im Thautropfen sich die Sonne sowohl als der Mond 
spiegeln kann, so vermag in der Wortstellung zweier kurzen Sätze der 
weltgeschichtliche Gegensatz zweier Hassen oder zweier Oulturen zum 
Ausdruck zu kommen. 
1) Sprüche in Prosa.
	        
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