Volltext: Hume's Lehre vom Wissen (17)

Hume’s Lehre vom Wissen. 
659 
inhalt, den ich habe, wenn ich zu essen begehre, mit dem Verlangen 
nach Aufnahme von Nahrung oder Speise charakterisiren; so lässt 
sich hiergegen vom rein logischen Standpunkte aus nichts einwenden, 
psychologisch dagegen ist insofern nichts gewonnen, als ja der Be¬ 
griff der Speise gar nicht anders als eben wieder mit Hülfe des eigen- 
thümlichen Bewusstseinserlebnisses jenes Begehrens zu definiren ist. 
Gäbe es ein solches Erlebniss nicht, so wäre der Begriff der Speise 
ein Nonsens oder er hezeichnete doch zum mindesten etwas ganz 
anderes, als das, was wir darunter zu verstehen pflegen. — 
Analoges gilt nun auch vom Vergleichen. Es handelt sich hier 
um die Erage, oh hei Beginn des Vergleichens die Feststellung von 
Uebereinstimmungen resp. Unterschieden dem Bewusstsein als Ziel 
bereits gegeben ist. Es soll nun gar nicht bestritten werden, dass 
es sich in einer Anzahl von Fällen ausnahmsweise so verhalten kann. 
Es werde z. B. jemand aufgefordert, zwei beliebige Gegenstände 
mit einander zu vergleichen, und es sei ferner bei ihm ein Motiv 
vorhanden, dieser Aufforderung zu folgen. Dies kann er aber offen¬ 
bar nur, wenn er mit dieser Aufforderung einen bestimmten Sinn 
verbindet, wenn er aus früheren Erfahrungen weiß, was das “Wort 
vergleichen bedeutet. Diese früheren Erfahrungen haben ihn ge¬ 
lehrt, dass unter dem Namen »Vergleichen« eine besondere Art psy¬ 
chischer Thätigkeit zusammengefasst wurde, und dass dasjenige, was 
man durch diese Thätigkeit erreicht, Uebereinstimmung und Unter¬ 
schied oder ähnlich — es kommt ja nicht sowohl auf den Namen 
als auf den Begriff an — genannt wurde. Sein Entschluss, der 
Aufforderung zum Vergleichen nachzukommen, kürzer sein Entschluss 
zu vergleichen ist daher gleichbedeutend mit dem Entschlüsse Ueber¬ 
einstimmungen und Unterschiede festzustellen, oder mit anderen 
"Worten: die Feststellung von Uebereinstimmungen und Unterschieden 
ist mit beginnendem Vergleiche seinem Bewusstsein als Ziel gegeben. 
Solche Fälle sind gewiss häufig genug, um als eine besondere und 
zwar offenbar nicht als die einfachste Art des Vergleichens hervor¬ 
gehoben zu werden, sie sind ebenso gewiss aber nicht dessen einzige 
und vor allem nicht dessen ursprünglichste Art. Sie setzen ja die 
eigentlich interessante Frage bereits voraus: eben die Frage, worin 
das Vergleichen eigentlich besteht. Es tritt hier nur hervor als 
etwas, das aus früheren Erfahrungen bereits bekannt ist: ich kann 
Wundt, Philos. Studien. XVII. 40
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.