Bauhaus-Universität Weimar

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Paul Linke. 
Gewiss mit Recht: er hat zum ersten Male in einer für die ganze 
nachfolgende Psychologie entscheidenden Weise auf die Wichtigkeit 
des Associationsmechanismus hingewiesen, die Alleingültigkeit des 
Associationsprincipes hingegen hat er niemals behauptet, er hat also 
die bedenkliche Einseitigkeit der späteren Associationspsychologie 
vermieden. Es ist ja freilich naheliegend genug, die Einseitigkeiten 
und Fehler, zu denen eine bestimmte wissenschaftliche Richtung ge¬ 
führt hat, ihrem Begründer zuzurechnen, und in der Geschichte der 
Wissenschaften begegnen wir diesem Verfahren nicht eben selten. 
Man braucht ja nur an jene Disciplin zu denken, die um eben jene 
Zeit und in demselben Lande aufzublühen begann, an die National - 
öconomie. Adam Smith war im Grunde ebenso wenig einseitiger 
Theoretiker des Freihandels, als Hume einseitiger Associationspsycho¬ 
loge war, so sehr auch der Tadel der späteren Forschung gerade 
mit dem Namen dieser beiden Männer sich verknüpft hat. — Man 
nennt die Nationalöconomie jener Zeit die classische, in dem Sinne 
offenbar, als durch sie jener Wissenschaft eine Grundlage geschaffen 
wurde, die auch heute noch als Grundlage anerkannt wird : ob man 
in einem solchen Sinne auch von einer classischen Erkenntnisstheorie 
reden könnte? Ich denke: ja; als ihr Begründer hätte dann aller¬ 
dings nicht Hume, sondern selbstverständlich Locke zu gelten. 
Und Locke interessirt uns hier noch in besonderem Maße. Denn 
man kann wohl ohne Uebertreibung sagen: Hume’s Arbeiten sind im 
Grunde alle unmittelbar durch diejenigen Locke’s eingeleitet, so dass 
Alexius Meinong mit Recht bemerkt, manche Oapitel in Hume’s 
Treatise nähmen sich wie ein Excurs zu Locke’s Abhandlung aus. 
Und das gilt in erster Linie von dem Problem, das uns hier zunächst 
beschäftigen soll und um das sich dann alles übrige gruppiren wird. 
Es mag kurz so formulirt sein: Welche psychologischen Voraus¬ 
setzungen müssen gemacht werden, um das »Wissen« relativ von den 
Thatsachen der Einzelerfahrung und deren Mängeln zu eliminiren? 
Käme es mir darauf an, ein oft gebrauchtes und deshalb abgeblasstes 
Schlagwort anzuwenden, so könnte ich wohl auch von den a priori 
vorhandenen Bewusstseinsinhalten reden, durch die die Allgemein- 
gültigkeit und Sicherheit des Wissens verbürgt wird. 
Wie angedeutet, soll dieses Problem historisch verfolgt werden, 
es soll dies aber — und darin liegt eine wesentliche Einschränkung
        

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