Bauhaus-Universität Weimar

Hume’s Lehre vom Wissen. 
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Stellung zu ihm eine wesentlich andere als die, die wir etwa einem 
Descartes oder Spinoza gegenüber einnehmen; eher könnten wir 
— um das Gesagte noch etwas concreter zu fassen — jene Stellung 
mit derjenigen vergleichen, die von einem Theile der philosophischen 
Forschung unserer Tage Kant gegenüber eingenommen wird. Und 
ganz gewiss hat die allzu individuelle Auffassung Kant’s, die Los¬ 
lösung seiner Philosophie von ihren historischen Bedingungen, schroff 
gesprochen: ihre ein wenig übertriebene Werthschätzung, viel dazu 
beigetragen, die originale Bedeutung desjenigen, der nach Kant’s 
eigenem Geständniss in seiner wissenschaftlichen Entwicklung den 
entscheidenden Wendepunkt herbeigeführt hat, um ein gutes Stück 
zu unterschätzen. Man braucht deshalb noch nicht so weit zu gehen 
Avie Th. Lipps, der — in der Einleitung zu seiner Uebersetzung 
von Hume’s Treatise — deutlich genug durchblicken lässt, dass er 
Hume Kant gegenüber für den größeren Denker hält, und man 
braucht noch viel weniger etwas wie eine Unanfechtbarkeit von 
Hume’s Ausführungen anzunehmen; das eine nur wird man aner¬ 
kennen müssen: mit dem bloßen Hinweis auf den gegenwärtigen 
Stand der Wissenschaft oder gar mit dem auf eine nachfolgende 
philosophische Doctrin (und sei es auch die Kant’s) wird man nicht 
über sie hinweggehen dürfen. Wie käme es auch sonst, dass es gar 
so schwer ist, Hume unter eine der bestehenden typischen Philo- 
sophenclassen, der Kealisten und Idealisten, der Empiriker und Ratio¬ 
nalisten, der Skeptiker und Kriticisten, unmittelbar und ohne Vor¬ 
behalt einzuordnen? — Skeptiker im eigentlichen Sinne — das hat 
man ja eingesehen — war er nicht, so sehr er sich auch selbst da¬ 
für ausgab; und Empiriker? Einen Empiriker Avird man ihn immer 
nennen können, aber der Begriff des Empirismus ist gar so weit, 
und gewiss war Hume in einem Sinne nicht Empiriker : sofern man 
nämlich dabei an jene radicale Richtung denkt, in der das vieldeutige 
Wort gleichbedeutend ist mit der Leugnung jeder Möglichkeit einer 
Erweiterung unserer Erkenntniss durch a priori in uns liegende 
Functionen, jene Richtung also, die in J. St. Mill ihren typischen 
Vertreter hat. In diesem Sinne war Hume nicht Empiriker — 
wenigstens ist das die Meinung des Verfassers, und er gedenkt in 
dieser Arbeit auch dafür einen Beleg zu bringen. 
Man hat Hume ferner einen Associationspsychologen genannt.
        

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