Bauhaus-Universität Weimar

Ueber binaurales Hören. 
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ebenfalls nicht erwiesen. Schäfer beruft sich hierbei auf die Ver¬ 
suche von Thompson, Preyer und Tarchanoff. 
Auch Bernstein1) beschäftigte sich experimentell mit der Frage 
der binauralen Schwebungen. Er benutzte drei Zimmer, in deren 
mittelstem der Beobachter saß, während die beiden Tonquellen in 
den beiden benachbarten Zimmern aufgestellt waren. Er arbeitete 
mit dem von ihm angegebenen akustischen Unterbrecher, das eine 
Mal mit 116, das andere Mal mit 200 Schwingungen. Die Ton¬ 
leitung erfolgte durch Kautschukschläuche. Binaurale Schwebungen 
wurden deutlich gehört. Weitere Versuche mit verklingenden Stimm¬ 
gabeln ergaben, dass auch die leisesten eben noch wahrnehmbaren 
Töne deutliche binaurale Schwebungen gaben. Die Frage der 
Knochenleitung suchte Bernstein direct durch folgenden Versuch zu 
entscheiden: »Zwei Personen verbinden ihre Kopfknochen dadurch 
schallleitend miteinander, dass sie in ein kurzes Holzbrett heißen. 
Jede von ihnen steckt einen der beiden Gummischläuche in ein Ohr; 
findet unter diesen Umständen eine merkliche Knochenleitung statt, 
so müssen sie die Schwebungen wahmehmen. Die Schallleitung von 
den Zähnen zum Ohre ist bekanntlich eine gute, also auch die um¬ 
gekehrte. In der That hört man den Ton einer Stimmgabel sehr 
stark, wenn sie der anderen Person unter den genannten Bedingungen 
auf den Kopf gesetzt wird. Ich habe diesen Versuch gemeinsam 
mit meiner Frau ausgeführt, welche ein feineres Gehör hat als ich. 
Bei Anwendung leiser Töne haben wir beide keine Schwebungen 
wahrgenommen. Beide Töne von derselben Stärke beiden Ohren 
einer Person zugeleitet erzeugten dagegen die deutlichsten binauralen 
Schwebungen«. Analoge Versuche waren bereits von Mach (1864) 
angestellt worden, ebenfalls mit negativem Resultate2). 
Das gleiche Princip der räumlichen Separation wurde auch von 
Ewald3) angewandt, der mit Stimmgabeln arbeitete und die leisen, 
bei den Versuchen benutzten Töne mittelst zweier Telephone zu- 
leitete. Der Ton war nur hörbar, wenn man das Ohrstück des Tele¬ 
phones fest in den Gehörgang einpresste. Dabei wurden binaurale 
1) Bernstein, Pflüger’s Archiv, LIX, S. 475. 
2) Vergl. die Bemerkung Schafer’s, Pflüger’s Archiv, LXI, S. 525. 
3) Ewald, Pflüger’s Archiv, LVII, 1894, S. 80.
        

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