Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Fechner-Helmholtz‘sche Satz über negative Nachbilder und seine Analogien, Zweiter Theil
Person:
Wirth, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4558/3/
Der Eechner-Helmheltz’sche Satz über negative Nachbilder u. s. Analogien. 313 
einer und der nämlichen Helligkeitsstufe bei verschiedenen Farben und 
Sättigungen bestellt. Wenn auch schließlich jeder Farbe auf Grund der 
abstrahirenden Vergleichung mit ziemlicher Sicherheit ein Grau von be¬ 
stimmter Helligkeit als »gleich hell« zugesprochen wird, so ist doch 
dieses abstracte Merkmal der Helligkeit für die naturgemäße Auf¬ 
fassung zunächst immer gewissermaßen mehr oder weniger hinter dem 
aufdringlicheren Merkmal der Farbenqualität versteckt. Wenigstens 
gilt dies für den Fall, auf den es bei der Messung dieser Helligkeit vor 
allem ankommt, wo die FarbendifEerenz eine beträchtliche, die Hellig¬ 
keitsdifferenz hingegen (in der kritischen Region um die Gleich¬ 
heitseinstellung herum) entsprechend geringer ist. Natürlich darf 
aber diese größere Schwierigkeit des logischen Processes niemals gegen 
die eindeutige Bestimmtheit des Gegenstandes eingewendet wer¬ 
den, auf den sich das Vergleichsurtheil bezieht, und sei dieser Gegen¬ 
stand auch das abstracte Moment der Helligkeit. Es wird damit 
nichts in die Empfindungen hineingedeutet, oder man müsste an der 
Möglichkeit einer sachgemäßen Analyse von Empfindungsqualitäten 
als solchen überhaupt verzweifeln1). Durch entsprechende Uehung 
lässt sich aber auch dieser ganze logische Process immer mehr ab¬ 
kürzen und damit zugleich in seiner üebersichtlichkeit und Evidenz 
steigern, insbesondere, wenn man alle Mittel anwendet, die auch 
sonst eine Heraushehung abstracter Momente erleichtern. Dass 
Farben überhaupt hinsichtlich der Helligkeit verschieden sein können, 
und was diese Verschiedenheit eigentlich für das Bewusstsein bedeutet, 
1) Diese rein psychologisch-phänomenologische Analyse, die einen Empfindungs- 
bestand, wie er bei der augenblicklichen Gesammtverfassung thatsächlich bereits 
im Bewusstsein vorhanden ist oder war, nach seinen verschiedenen gleichzeitig 
in ihm enthaltenen »Seiten« hin untersucht, ist also zu unterscheiden von einer 
anderen Art der Analyse, die an Stelle eines ursprünglichen Verschmelzungs- 
productes durch Anspannung der Aufmerksamkeit mehrere relativ selbständige 
Einzelelemente treten lässt, z. B. von der Auflösung der Klangfarbe in ihre Ober¬ 
töne. Die Auffassung des Helligkeitsgrades entspricht nicht dem Heraus¬ 
hören der Obertöne, sondern dem Herausheben der Klangfarbe selbst in der 
Eigenart, wie sie ohne jede besondere Beachtung der Obertöne für uns im Be¬ 
wusstsein gegeben ist. Dass es trotz dieser Hinlenkung der Aufmerksamkeit auf 
das eigenthümliche Moment der Helligkeit bei dieser Einheitlichkeit des farbigen 
■Empfindungsganzen verbleibt und nicht etwa eine reine Grau-Empfindung von 
euier reinen Earbenempfindung sich sondert, ist eine besondere Thatsache für sich, 
die den übrigen Unterschieden zwischen Gesicht und Gehör sich hinzufügt. 
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