Volltext: Zur Theorie der Combinationstöne (17)

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Felix Krueger. 
hier ist die übrige Litteratur zu finden), widerlegt auch die anderen 
Argumente Koenig’s für einen Einfluss der Phasenverschiebung auf 
die Klangfarbe und für die consequentermaßen von Koenig be¬ 
hauptete Fähigkeit des Ohres, Richtungsumkehrungen der Schallbe¬ 
wegung zu erkennen. Positiv entscheidend sind die Hermann’schen 
Versuche mit dem Edison-Phonographen, der eine vollständige 
Umkehrung aller Bewegungsrichtungen gestattet, dabei aber die 
Klangfarbe obertonreicher Klänge ganz unverändert lässt. Die 
Frage, ob Phasenverschiebung der Theiltöne für sich allein die Klang¬ 
farbe beeinflusse, scheint mir nunmehr endgültig negativ, d. h. im 
Sinne Helmholtzens beantwortet zu sein. Darin liegt zugleich ein 
wichtiges Argument für die reine Zerlegungstheorie, wonach ein zu¬ 
sammengesetzter Klang lediglich nach Maßgabe der in ihm enthal¬ 
tenen Sinusschwingungen empfunden wird, unabhängig von der Form 
der Gesammtwelle. 
Seebeck’s scharfsinnige Einwände gegen die Ohm’sche Defi¬ 
nition des Tones werden neuerdings wieder von Meyer (49; 50) 
gegen Ohm und Helmholtz verwerthet. Seebeck stützte sich bei 
seiner Behauptung, die Form der Gesammtwelle sei für die Klang¬ 
wahrnehmung mitbestimmend, vor allem auf die Beobachtung, dass 
die an sich nur schwachen Obertöne eines zusammengesetzten Klanges 
den Grundton verstärken. Ohm erklärte dies (16, 15) für eine 
associativ bedingte »Gehörstäuschung«. Aber im Thatsächlichen hat 
Seebeck recht behalten. Bekanntlich pflegen wir jeden zusammen¬ 
gesetzten Klang nach der Tonhöhe seines Grundtones aufzufassen 
und zu benennen. Zur Erklärung verweist Helmholtz (17, 497; 
21, 97) auf die überwiegende Stärke des Grundtones. Dem gegen¬ 
über betont Pipping (43, 535), dass »diejenigen Klänge, welche 
unser Ohr am häufigsten trelfen, die Vocalklänge oft, ja bei männ¬ 
lichen Stimmen vielleicht in der Regel nur sehr schwache Grund¬ 
töne haben«. Pipping ersetzt deshalb die herkömmliche Theorie 
von der subjectiven Tonhöhe der Klänge durch folgende Hypothese: 
»Ein Klang von der Schwingungszahl n wird empfunden, sowie eine 
hinreichende Anzahl von Theiltönen vorhanden ist, deren Schwin¬ 
gungszahlen gerade Vielfache von n sind. Kein Theilton genügt an 
und für sich, um eine sichere Höhenempfindung hervorzurufen (Oc- 
taventäuschungen bei einfachen Tönen), und keiner, auch nicht der
	        
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