Volltext: Zur Theorie der Combinationstöne (17)

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Felix Krueger. 
"Was das rein Thatsächliche angeht, so haben sich die Angaben 
Helmholtzens auch in ihrem negativen Theile nur bestätigt. In 
anderen als den von ihm beschriebenen Ausnahmefällen hat meines 
Wissens bisher niemand »objective« Combinationstöne festgestellt. 
Vielmehr bemerkt schon Koenig (23, 221), dass die von ihm an 
Stimmgabeln wahrgenommenen Combinationstöne jeder Art durch 
Resonatoren nicht verstärkt wurden. Zu demselben negativen Ex¬ 
gehniss gelangte M. Wien (30, 853) hei Gelegenheit seiner noch 
unter Helmholtz’ Leitung vorgenommenen sorgfältigen Tonstärke¬ 
messungen : ein höchst empfindlicher Resonator wurde durch den deut¬ 
lichen Differenzton zweier Lippenpfeifen oder einer Pfeife und eines 
Telephons niemals merklich erregt. Hermann (35, 516) konnte 
durch die beiden telephonisch übertragenen Stimmgabeltöne ax und c2 
die dem ersten Differenzton entsprechende Gabel F niemals zu dem 
leisesten Mitschwingen bringen. Neuerdings führte die schon er¬ 
wähnte Untersuchung von Rücker und Edser zu dem gleichen 
Resultat. Derselbe feine Resonanzapparat, der auf den ersten Diffe¬ 
renzton und den Summationston von Sirenenklängen stets lebhaft 
reagirte, that dies in keiner Weise bei Primärklängen aus Stimm¬ 
gabel- oder Orgelpfeifentönen. 
Ich stimmte wiederholt eine Gabel genau auf den stärksten Diffe¬ 
renzton zweier Stimmgabeln ah und stellte die Resonanzkästen dieser 
beiden dem der Hülfsgabel nahe gegenüber. Auch die lautesten Diffe¬ 
renztöne, z. B. der der Quinte brachten, selbst bei stärkstem Streichen 
der primären Gabeln, die Resonanzgabel niemals zum Mitschwingen; 
deutliche Summationstöne ebensowenig. Ferner stellte ich mehrmals 
den sogleich näher zu beschreibenden, gut functionirenden Interferenz¬ 
apparat auf einen Differenz- oder Summationston ein, ohne dadurch 
eine merkliche Abschwächung zu erzielen. 
Es bleibt also dabei: die Combinationstöne zweier ge¬ 
trennter Tonquellen, d. h. weitaus die meisten in der Musik 
vorkommenden Differenz- und Summationstöne haben keine objective 
Existenz in dem Sinne, dass in der Luft, außerhalb des wahrnehmen¬ 
den Ohres eine ihnen entsprechende pendelförmige Schwingungs¬ 
bewegung nachweisbar wäre.
	        
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