Bauhaus-Universität Weimar

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Felix Krueger. 
Dass ein thatsächlich vorhandener Theilton in Meyer’s Con- 
structionen verschwindet, begegnet noch häufiger als das Umgekehrte. 
So ergeben sich ihm (46, 218; 47, 29; 48, 52) aus 5 + 8 die Töne 
8, 5, 2 und 1, nicht, so lange 8 nicht objectiv stärker ist als 5, der 
zweifellos hörbare D{ 31); hei 5 + 8 + 10 ergeben sich die Töne 1, 
3 (als stärkster), 4, 6 [?], 8, 10 (mehr als dreimal so schwach wie 6) : 
der Primärton 5 fällt aus. Ebenso bei2) 4(10) + 20(20) + 23(20) 
der Primärton 4. 
Vielfach muss Meyer, um die Consequenzen seiner Theorie mit 
den Thatsachen in Einklang zu bringen, Hülfshypothesen ein¬ 
führen. So soll (47, 31; 48, 54 ff.) die periodisch wiederkehrende 
Folge von sieben »Reizen« und einer Reizunterbrechung eben so wie 
der Rhythmus von acht Reizen den Ton 8 erregen. So sollen ge¬ 
legentlich je zwei Reizungen wie eine wirken; und eine eigenthümliche 
»Zweideutigkeit« der Reize soll in vielen Fällen eine »abwechselnde 
Verstärkung« bald des einen, bald eines anderen Differenztones zur 
Folge haben, wofür ich wenigstens in den Thatsachen der Beobach¬ 
tung keinen Anhalt finde. 
Die Mehrzahl der Meyer’sehen Constructionen und Berech¬ 
nungen führt auf Differenztöne, die an Intensität einen oder beide 
Primärtöne erheblich übertreffen. Durchschnittlich sind die Diffe¬ 
renztöne der Theorie viel stärker, die Primärtöne schwächer als in 
Wirklichkeit. Meyer selbst bezeichnet (47, 33 ; 48, 58) die aus 
seinen Hypothesen sich ergebenden relativen Intensitäten der 
Theiltöne als am meisten Bedenken erregend. Er verweist dem 
gegenüber auf zwei der Einfachheit wegen bisher zu Grunde gelegte 
Voraussetzungen, von denen die eine möglicherweise, die andere 
sicherlich den Thatsachen nicht entspricht. Die speciellen Ueber- 
legungen und Berechnungen gingen nämlich von der Annahme aus, 
dass die Nervenendigungen von der Schneckenbasis bis zur Schnecken¬ 
spitze gleich dicht über die Grundmembran vertheilt seien, und dass 
ferner die Länge der ausgebuchteten Membranstrecke der jeweiligen 
Amplitude der Steighügelbewegung einfach proportional sei. In der 
1) Wie Herr Professor Stumpf mir mittheilte, hörte auch er bei der 
kleinen Sexte, im Gegensatz zu Meyer, regelmäßig den Differenzton 3, und zwar 
stärker als 2. 
2) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die relativen Amplituden.
        

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