Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Theorie der Collectivgegenstände
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4556/2/
Die Theorie der Collectivgegenstände. 
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I. Die inductive Wahrscheinlichkeitserkenntniss. 
§ 1. Denkgegenstand und Begriff. 
Ein beliebiger, aber bestimmter Gegenstand des Denkens, der 
durch A bezeichnet werden möge, sei gegeben. 
Da A als gegeben angenommen wird, bleibt seine Herkunft un- 
erörtert. Es ist jedoch klar, dass A einerseits in der ursprünglich 
und schlechthin gegebenen Welt des Bewusstseins wurzelt und ander¬ 
seits der Bethätigung des Denkens sein Dasein verdankt. Denn nie¬ 
mand wird daran zweifeln, dass es weder aus Nichts erschaffene, 
noch von vom herein vorhandene Gegenstände des Denkens gibt. 
Die Annahme von A setzt demnach voraus, dass an irgend einem, 
aus Empfindungen und Gefühlen bestehenden, räumlich und zeitlich 
geformten Inhalte des Bewusstseins das Denken sich irgendwie be- 
thätigt habe und so zu A gelangt sei. 
Ein Bewusstseinsinhalt liegt somit zu Grunde. Er gibt dem 
Denkgegenstande die reale, psychische Existenz. Es ist jedoch gleich¬ 
gültig, von welcher Art er ist, und ob der Inhalt in seiner räum¬ 
lichen und zeitlichen Wirklichkeit, oder ob nur ein durch das Denken 
abgesonderter und hervorgehobener Bestandteil jenes Inhalts zum 
Gegenstände des Denkens gemacht wird. 
Wie dem auch sein mag: in jedem Falle muss eine angebbare 
Beschaffenheit vorhanden sein. Denn A ist ein bestimmter, von an¬ 
deren unterscheidbarer Gegenstand des Denkens. Die Bestimmtheit 
beruht auf dem Denken, durch das A in seiner Besonderheit erfasst 
und unterschieden wird. Da nun das Denken im Urtheilen sich voll¬ 
zieht, so muss es möglich sein, die Beschaffenheit von A durch Ur¬ 
teile, deren logisches Subject A ist, anzugeben. Jedes Urtheil aber, 
das nicht bloß das Vorhandensein von A behauptet, das also nicht 
ein bloßes Existentialurtheil ist, setzt A zu anderen Denkgegenständen 
m Beziehung. In solchen Beziehungen besteht die logische Bestimmt¬ 
heit von A. In ihnen bietet sich das von A Erkannte oder Begrif¬ 
fene — der Begriff von A dar. Mit der Annahme eines bestimmten 
A wird daher zugleich ein Begriff von A vorausgesetzt. Der Begriff 
bestimmt oder definirt A. 
Die zum Erfassen und Begreifen von A führende Denkarbeit 
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