Volltext: Experimentelle Untersuchungen über Associationen (17)

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Gr. Cordes. 
tritt« — so hat unsere Erklärung, dass z. B. zu »Hoehmuth« einfach 
der Complex der in der Kindheit gelernten betreffenden biblischen Ge¬ 
schichte associirt wurde, aus dem dann die Ueberschrift oder jedenfalls 
das dem Kinde geläufigste Merkwort sich am leichtesten bildete, schon 
ihrer Einfachheit halber den Vorzug vor Aschaffenburg’s gewagter 
Erklärung. 
Ebenso finden in unserer Auffassung der mittelbaren Association 
die in den Gedächtniss-Versuchen von Ebbinghaus*) und von Müller 
und Schumann**) die mittelbare Association betreffenden Ergebnisse 
leicht ihre Erklärung. 
In andern Fällen wird es von der allgemeinen Auffassung des 
Begriffs Association abhängen, ob man sie zu den mittelbaren Asso¬ 
ciationen rechnet oder nicht. So dann, wenn Empfindungselemente, 
die nicht ein bewusst gewordenes A-Phänomen gebildet haben, eine 
Vorstellung herauf führen35). 
Ueber die Berechtigung des Terminus »mittelbare Association« 
kann man verschiedener Meinung sein. Der Terminus wurde gebildet, 
um eine durch eine unbewusste Zwischenvorstellung vermittelte Asso¬ 
ciation zu bezeichnen, beruht also auf einen Missverständniss. »Ver¬ 
mittelt« wird die in Frage stehende Association durch das aus dem 
A-Phänomen perseverirende Moment; auf diese Vermittlung kann das 
Wort »mittelbar« nicht gehen, denn gleiche Vermittlung ist auch bei 
jeder directen Association der Fall. Der Unterschied zwischen den 
beiden Associationsformen liegt nicht in der Verknüpfung des A- mit 
dem B-Phänomen, sondern darin, welcher Bestandtheil des B-Com- 
*) Das Gedäclitniss S. 139. 
**) Zeitschrift f. Psych, u. Phys. d. S. VI S. 307. 
35) Solche Fälle kommen mir oft im Tageslehen: beim Durchblättern eines 
Buches nach einem Citât tauchte mir die Vorstellung eines Schrankes auf, in dem 
die Zeitschrift Brain steht. Ich konnte rückverfolgen, dass sie sich an den An¬ 
blick des Namens Bain, der nicht appercipirt war, geknüpft hatte. — Der An¬ 
blick einer Beklamekarte brachte die Vorstellung eines Herrn, bezüglich dessen 
Namen ich einen halben Tag zuvor in Erfahrung gebracht hatte, dass er nicht 
mit CI — wie ich bis dahin geschrieben, sondern mit Kl beginne. Dann erst 
erkannte ich, dass auf der etwas entfernt stehenden Karte zwei auf einander fol¬ 
gende Worte mit C und L anfingen. — Auch Jerusalems Fall (Philos. Stud. X) 
rechne ich hierher. — Nicht alle Fälle, die dem Erlebenden den Eindruck einer 
frei steigenden Vorstellung machen, sind auf mittelbare Association zurück zu 
führen.
	        
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