Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Mosso‘s Ergographen mit Rücksicht auf seine physiologischen und psychologischen Anwendungen
Person:
Müller, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4554/18/
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Robert Mtiller. 
von 4 Secunden; dieses ist wohl wegen seiner Länge etwas ungünstig, 
er benutzte aber eine große Anzahl von Zuckungen, er ging bis etwa 
800, von welchen er immer eine bestimmte Auswahl aufschrieb. 
Marey’s Aufzeichnung umfasst nur 88 Einzelzuckungen vom Gastro- 
cnémius des Frosches, dagegen wählte er ein günstigeres Reizintervall 
von 1,5 Secunden. Aus solchen Zuckungsreihen sieht man, dass die 
Curven sich in ganz bestimmter Weise verändern und mit solcher 
Constanz und Deutlichkeit, dass man daraus den Process der Er¬ 
müdung definirt hat. Man sagte nämlich, dieselbe sei charak- 
terisirt durch die Abnahme der Zuckungshöhe bei gleichbleiben¬ 
dem Reiz, oder durch die Verstärkung des Reizes, die nothwendig 
ist, um eine constante Hubhöhe zu erhalten. Dabei ändert sich die 
Form der Curve der Einzelzuckung, indem dieselbe gedehnter wird. 
Diese Dehnung der Curven bei der Ermündung hatte bereits Helm¬ 
holtz1) bemerkt, der von dieser Erscheinung überrascht war, denn 
er meinte, man hätte mit der Abnahme der Hubhöhe auch viel eher 
eine Verkürzung zu erwarten. Diese Aenderung der Curve ist aber 
noch des öfteren eingehend beschrieben worden, so von Wundt2), 
Volkmann3) und Funke4). 
Dass diese Dehnung der Curve der Ausdruck ganz eigenartiger 
Verhältnisse der Arbeitsökonomie des Muskels sei, erkannte bereits 
Volkmann, denn er schreibt: »Betrachtet man den Inhalt der Cur¬ 
ven als Maß der Arbeit, so sieht man, dass ziemlich beträchtliche 
Ermüdung der Größe der Arbeit nur wenig schadet. Wenn man 
dagegen beim Bemessen der Arbeit auch auf die Zeit, die sie be¬ 
ansprucht, Rücksicht nimmt, so findet sich, dass sie dann mit der 
Ermüdung eine rasche Verminderung erfährt«, und daraus zieht er 
den Schluss: »Führt man den Bewegungsvorgang auf seine Ursachen, 
auf die chemischen Processe zurück, so darf man annehmen, dass 
die Ermüdung weit weniger die Quantität als die Intensität der Me¬ 
tamorphose ändere«. »Die Menge der zu verbrennenden Stoffe scheint 
nur sehr wenig abzunehmen, während der Oxydationsprocess auffal¬ 
lend träger wird«3). 
1) Helmholtz, Archiv für Anat. u. Physiol. 1850 u. 1852. 
2) "Wundt, Lehre von der Muskelbewegung. Braunschweig 1858. 
3) Volkmann, Pflügers Archiv. IH. S. 374. 
4) Funke a. a. 0.
        

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