Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes und ihr voraussichtliches Endergebniss, Schluss
Person:
Lange, Ludwig
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4553/8/
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Ludwig Lange. 
durch causale Erklärungen verdrängt werden, so wurde insbesondere 
auch das Bedürfniss nach einer causalen Begründung des Beharrungg 
gesetzes an Stelle der teleologischen immer allgemeiner ; und Euler 
ist einer der ersten Mathematiker, welche dieses Bedürfniss zu befrie¬ 
digen gesucht haben.4) 
Eulers Causaldeduction des Trägheitsgesetzes ist nicht immer 
eine und dieselbe gehliehen, allein es hätte für uns gegenwärtig wenig 
Interesse, sie in ihrer Verwandlung zu verfolgen (M. §§ 56. 63. 65 
Th. m. §§ 83. 86). Nur die letzte Ausführung in der »Theoria motus« 
ist für uns von Bedeutung. Hier heißt es, ein einmal absolut ruhiger 
sich selbst überlassener Körper müsse in der absoluten Ruhe verhar¬ 
ren , weil er nach allen Seiten gleichviel Grund zur Bewegung hätte. 
Ein absolut bewegter sich selbst überlassener Körper müsse immer 
einer geraden Linie folgen, denn es sei kein Grund vorhanden, dass 
er nach der einen Seite eher als nach der anderen abwiche. Seine 
Bewegung müsse ferner gleichförmig sein, denn jedes andere Gesetz 
über den zeitlichen Verlauf derselben sei willkürlich und mit un¬ 
zähligen davon verschiedenen ganz gleich vernunftgemäß, sodass es 
vor keinem den Vorzug verdiene. 
Die Unhaltbarkeit dieser und ähnlicher von anderen Mathema¬ 
tikern versuchter Deductionen ist schon von anderer Seite nachgewiesen 
worden. Sehr beachtenswerth ist die Bemerkung Wundt s, dass allen 
diesen Versuchen bei Lichte betrachtet doch das teleologische princi- 
pium simplicitatis zum Hintergründe dient. »Warum gibt es keinen 
Grund, aus dem ein Körper eher nach der einen als nach' der anderen 
Seite, sondern nur in gerader Richtung sich bewegen soll? Doch offen¬ 
bar nur, weil es am einfachsten ist, dass er die gerade Richtung ein¬ 
schlägt .....Der Fehler des Scheinbeweises liegt darin, dass er aus 
der gleichen Möglichkeit von Bewegungen, die nicht neben einan¬ 
der bestehen können, ihrer aller Unmöglichkeit folgert«. Der 
Satz vom zureichenden Grunde »dient bloß, um das Princip der Sim- 
plicität zu verstecken«.1 2) 
1) Bei Philosophen, z. B. Hobbes, finden sich causale Ableitungen schon weit 
früher, ohne aber hier mit dem Probleme des Bewegungsbegriffes in irgend welchem 
Zusammenhänge zu stehen. 
2) W. Wundt, Die physikalischen Axiome und ihre Beziehung zum Causal- 
princip. 1866. p. 39f. Vgl. auch p. 48f.
        

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