Volltext: Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes und ihr voraussichtliches Endergebniss, Schluss (3)

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Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes. 
mit den Verrückungen der Sterne nachM-ß und I). welche durch un¬ 
mittelbare Messung mit den astronomischen Instrumenten erhalten 
werden. Ist uns nämlich die Verrückung eines Sternes nach AR und 
D durch unmittelbare Messung gegeben, so müssen wir, um daraus 
seine »Eigenbewegung« zu erhalten, erst noch Einiges in Abrechnung 
bringen. Ich will einmal annehmen, die von der Erdrevolution her¬ 
rührenden Antheile, Parallaxe und Aberration, seien bereits abgerech¬ 
net, so dass also der Rest auf ein Coordinatensystem zu beziehen 
wäre, welches sein Centrum in der Sonne hat und im übrigen dem 
durch den Erdmittelpunkt als Centrum gelegten ursprünglicheren 
Mß-D-Systeme parallel ist. Was alsdann von Aenderung der AR und 
D übrig bleibt, ist auch noch keineswegs zu identificiren mit der 
Eigenbewegung des Sternes. Vielmehr muss noch die Veränderung 
abgerechnet werden, welche die beiden sphärischen Coordinaten 
durch Präcession des Erühlingspunktes sowie durch Nutation der 
Erdachse erleiden. Das heliocentrische AR-D-System ist nämlich in 
einer eigenthümlichen zwiefachen Drehung sowohl zu dem (verhält- 
nissmäßig als starr zu betrachtenden) Fixsterncomplexe, als auch, wie 
d’Alembert theoretisch aus der allgemeinen Schwere abgeleitet 
hat, relativ zu dem heliocentrischen Inertialsysteme begriffen. Die 
Drehung zum Fixsterncomplexe wird nun von den Astronomen so ge¬ 
nau angegeben, dass man nur annehmen kann, sie bilde das Mittel 
aus zahlreichen auf verschiedene einzelne Fixsterne be¬ 
züglichen Drehungen, welche ja wegen der Veränderlichkeit des 
Complexes um ein Beträchtliches von einander ab weichen müssen. 
Dass aber diese mittlere Drehung hinreichend genau für eine etwaige 
Dynamik der Eigenbewegungen mit der Rotation zum heliocentrischen 
Inertialsysteme übereinstimme, dafür haben wir absolut keine Gewähr 
und die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering. 
Nun wollen wir einmal annehmen, auch die Antheile der Prä¬ 
cession und Nutation seien in Abrechnung gebracht, so erhalten wir 
diejenige Veränderung der AR und D des Sternes, welche der Astro¬ 
nom die »Eigenbewegung« desselben nennt. Da sich bei Bestimmung 
der Präcessions- und Nutationsconstanten eine mittlere Beziehung auf 
den veränderlichen Fixsterncomplex eingeschlichen hat, so folgt, dass 
die Eigenbewegung des Sternes ebenfalls eine mittlere 
Beziehung auf den Complex involvirt; freilich dürfte es kaum
	        
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