Volltext: Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes und ihr voraussichtliches Endergebniss, Schluss (3)

Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes. 
657 
befriedigender Weise zu lösen. Sehr belehrend ist in dieser Richtung 
der von Kant in den »Metaphysischen Anfangsgründen der Natur¬ 
wissenschaft « unternommene Lösungsversuch, auf welchen wir nun 
zu sprechen kommen. 
§ 2. Kant. 
Schon in seiner vorkritischen Periode hat sich Kant mit der 
Frage nach dem Bewegungsbegriffe näher abgegeben. Es interessirt 
uns aber hier nur, dass er in seinem »Neuen Lehrbegriff der Bewe¬ 
gung und Ruhe« den »absoluten Raum« als eine unbegreifliche und 
darum nutzlose Voraussetzung der Bewegungslehre betrachtet,1) wäh¬ 
rend er sich später durch Eulers Aufsatz vom Jahre 1748 bestimmen 
lässt, in seiner Abhandlung »Von dem ersten Grunde des Unter¬ 
schiedes der Gegenden im Raume«2) den realen absoluten Raum und 
die absolute Bewegung doch als nothwendige, wiewohl unbegreifliche 
Grundannahmen der Bewegungslehre anzuerkennen. Die Beschwer¬ 
lichkeit, wie sie in der Auffassung dieser Begriffe liegt, »zeigt sich 
allerwärts, wenn man über die ersten Data unserer Erkenntniss noch 
philosophiren will, aber sie ist niemals so entscheidend als 
diejenige, welche sich hervorthut, wenn die Folgen 
eines angenommenen Begriffs der augenscheinlichsten 
Erfahrung widersprechen«. So scheint also Kent gegen 
Ende seiner vorkritischen Periode ziemlich genau auf dem Euler- 
schen Standpunkte gestanden zu haben. Erst im Verlaufe seiner 
kritischen Periode ändert er seine Ansicht und sucht der Antinomie 
auszuweichen, ohne indess dabei zu dem erreichbaren Ziele zu ge¬ 
langen. Fassen wir nun diesen Versuch, so wie er uns in den »Me¬ 
taphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft« (1786) vorliegt, 
genau ins Auge. 
»Bewegung eines Dinges ist« nach Kant »die Veränderung 
der äußeren Verhältnisse desselben zu einem gegebenen Raum« 
1) 1758. Vgl. Smtl. Werke hrsg. v. Rirehmann Bd. VII. Abth. II. S. 421. 
2) 1768. Smtl. Werke hrsg. v. Kirchmann Bd. V. Abth. III. S. 121 ff. 
Kants stereometrische Gründe für den realen absoluten Raum kommen hier nicht 
in Betracht. Die dynamischen entlehnt er von Euler, ohne aber über Andeutungen 
hinauszugehen. 
Wundt, Philos. Studien. III. 
43
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.