Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Entwickelungsgang der Leibniz‘schen Monadenlehre bis 1695 (Schluss)
Person:
Selver, David
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4548/29/
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David Selver. 
substantielle absolute Einheit ist aber das physische Atom nicht da 
jeder Theil der Materie noch immer theilbar bleibt.* 1) Dazu kommt 
noch, dass für die Atomistik der Unterschied der Einzelsubstanzen 
und der letzten Einheiten, von der Configuration abgesehen, nur éin 
quantitativer sein kann, für Leibniz aber sollte er ein individu, 
eil er sein. Nur durch die Setzung substantieller Einheiten und in. 
dividueller Unterschiede, meint Leibniz, werde die Schwierigkeit der 
unendlichen Theilbarkeit oder unendlichen »Zusammensetzung des 
Continuums« beseitigt.2) Leibniz setzte daher an Stelle des physi¬ 
schen Atoms die »substantielle Form« oder, wie man in seinem Sinne 
sagen müsste, die individuelle Form. Und während er auf der 
einen Seite für die Kennzeichnung der individuellen Natur der letzten 
Einheiten im ganzen Bereiche des Seins kein anderes Analogon fand, 
als die menschliche Seele,3) war andererseits der Kraftbegriff, obschon 
an und für sich eine dynamisch-physikalische Abstraction, umfassend 
genug, um auch realiter sowohl alle seelischen Actionen als alle kör¬ 
perlichen Energien in seinen Rahmen aufzunehmen.4) 
So liefen denn in dem Leibniz’sehen Begriff der Monas die Fäden 
mathematischer Distinctionen, dynamisch - phoronomischer Berech¬ 
nungen, atomistischer Abstractionen und theologischer Bestrebungen 
zusammen, um von einem, wenn auch nur künstlich geschaffenen, 
Mittelpunkte aus die ganze Fülle des Seins mit seinem Reichthum an 
Gegensätzen und Differenzirungsmöglichkeiten innerer Regungen 
und äußerer Spiegelungen zu einem Systeme zu verknüpfen, welches 
sich im Geiste seines Urhebers als ein nirgends unterbrochener Zu¬ 
sammenhang harmonischer, systematischer Anordnung und Abstufung 
darstellte. Aber wie jedes Glied dieses Systems, jede Monade, das 
Erdm. p. 124 : La multitude ne pouvant avoir sa réalité que des unités véritables etc. 
Monadol. § 2 : Il faut qu’il y ait des substances simples, puisqu’il y a des compo¬ 
sés, car le composé n’est autre chose, qu’un amas, ou aggregatum des simples. 
1) Syst. nouv. § 3 : Il est impossible de trouver les principes d’une véritable 
unité dans la matière seule ou dans ce qui n’est pas passif, puisque tout n’ y est que 
collection ou amas de parties à l’infini. — Vgl. auch oben S. 236, Anm. 1. 
2) Briefw. S. 94. 
3) Disc. § 12 ; Syst. nouv. § 3. (Vgl. Briefw. S. 65. extr. 66.) 
4) Hierin dürfte nicht minder ein wesentlicher Unterschied enthalten sein 
zwischen der Monadenlehre und dem pantheistischen Hylozoismus eines Bruno 
wie anderer theosophischer Systeme.
        

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