Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Entwickelungsgang der Leibniz‘schen Monadenlehre bis 1695 (Schluss)
Person:
Selver, David
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4548/20/
Der Entwickelungsgaag der Leibniz’schen Monadenlehre bis 1695. 
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geregt und bestimmt wurden. So hat sich uns bei der Kenntnissnahme 
von der Theoria motus abstracti ergeben, dass Leibniz bei seiner Auf¬ 
fassung des Unendlichkleinen sowohl als Element des Räumlich- 
physischen als auch des Räumlich-Zeitlichen der Bewegungsvorgänge, 
sowie seiner hierauf begründeten Behandlung des Stetigkeitsproblems 
sich ausdrücklich auf die Geometrie der Indi visibilia des 
Cavaleri gestützt und berufen hat. Ja, selbst seine »Lex con- 
tinuitatis«, bei deren Erwähnung er später öfter auf die Ergebnisse der 
in Frage stehenden mikroorganischen Untersuchungen als auf That- 
sachen hinweist, welche zeigen sollen, dass Leben und Tod, Entstehen 
und Vergehen nur Entwicklungs- und Uebergangszustände sind, und 
dass es in der Natur kein »vacuum formarum« gebe 4), wurzelt logisch, 
wie wir nachgewiesen, in seiner bereits in der Theoria motus abstracti 
versuchten Lösung des Problems der Stetigkeit aus dem Gesichts¬ 
punkte der realen Möglichkeit einer Differenzirung jeder Größe und 
aller quantitativen Uebergänge durch Einschiebung unendlichkleiner 
Größen und in der Annahme einer logischen und realen Proportionali¬ 
tät von Grund und Folge, Ursache und Wirkung.2) Der vorwiegend 
logisch-mathematische Charakter des Gedankenganges, aus dem im 
Geiste Leibniz’ die Idee des Continuitätsprincipes hervorging, ist auch 
darin documentirt, dass Leibniz bei seiner ersten Einführung und Be¬ 
gründung in dem bekannten Schreiben an Bayle vom Jahre 1687 sich 
ausschließlich auf mathematische Thatsachen berief, wie die Möglich¬ 
keit der Auffassung der Parabel und des Kreises als Ellipse mit un¬ 
endlich großem oder unendlich kleinem Abstande der beiden Brenn¬ 
punkte. 3) 
Es ist von Zeller treffend bemerkt worden, dass die Monaden¬ 
lehre Leibniz’ schon bei ihrer ersten Kundgebung »gleich in voller 
Rüstung aus seinem Haupte trat«.4) Dies gilt besonders von der er¬ 
sten literarischen Einführung ihres metaphysischen Hauptbegriffs, 
nämlich des Begriffs der »individuelle^. Substanz« durch den 
and nicht geruht bis ich zu den letzten ursprünglichen gründten kommen, so in der 
'on große, figur und Bewegung handelnden Kunst, das ist in der 
mathesi und physica sich befinden.« 
1) Erdm. O. P. p. 125 (§ § 6, 7), 392, 715, 180. Grotef. 120. 
2) Vgl. oben S. 261. Anm. 2. 
3) Erdm. O. P. p. 105a. 
4) Gesch. d. d. Philos. S. 90.
        

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