Volltext: Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes und ihr voraussichtliches Endergebniss (3)

Die geschichtliche Entwickelung des Bewegungsbegriffes. 
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bracht werden kann«. Insbesondere sind daher die natürlichen Bewe¬ 
gungen in Bezug auf den absoluten Baum und die absolute Zeit 
immer so einfach, als es unter den gegebenen Bedingungen des Ge¬ 
schehens überhaupt möglich ist. 
Die allereinfachste Bedingung, unter welcher ein Körper sich 
bewegen kann, ist nun wiederum die, dass er von keinem anderen 
beeinflusst wird. Hier wird also die Einfachheit der natürlichen Be¬ 
wegung in Bezug auf den absoluten Baum und die absolute Zeit ihr 
Maximum erreichen. Der sich selbst überlassene Körper wird im ab¬ 
soluten Baume die denkbar einfachste Linie d. h. eine gerade Linie 
beschreiben, und seine Geschwindigkeit in Bezug auf die absolute Zeit 
wird, was das Einfachste ist, unverändert bleiben. So ist also die 
Newton’sche Auffassung des Trägheitsgesetzes Nichts als ein Aus¬ 
fluss seiner erhabenen Grundanschauung von Gott und Natur. Cau¬ 
sale Begründungen des Principes, wie sie später von Euler u. A. 
versucht worden sind, finden sich bei Newton noch gar nicht. Dass 
in dem soeben ausgeführten Gedankengange eine Einwirkung Gali¬ 
leis vorliegt, leidet keinen Zweifel; man kann fast sagen, Newton 
habe Galileis Anschauungsraum der zweckthätigen Natur einfach 
übernommen und ihm nur eine schärfer ausgeprägte begriffliche Ge¬ 
stalt nebst jener theistischen Färbung verliehen, wie sie seinem streng 
christlichen Gemüthe am meisten zusagte. Dass der reale immaterielle 
Raum etwas seinem Wesen nach Göttliches sei, hatte übrigens in 
ganz ähnlicher Weise schon Henry More gelehrt, und es dürfte nicht 
allzu gewagt sein anzunehmen, dass er auch hier auf Newton von 
Einfluss gewesen ist. ’) 
1) Bekanntlich hat auch Malebranche seinen realen »intelligibelen Raum« in 
innige Beziehung zur Persönlichkeit Gottes gesetzt. Wenngleich die meisten und 
nichtigsten Belegstellen hierfür in den erst 1688 erschienenen »Entretiens sur la 
métaphysique« enthalten sind (Oeuvres, Paris 1871, Tomei. p. 184—188), so fehlt 
es doch nicht an einzelnen unverkennbaren Andeutungen in anderen Schriften Ma- 
iebranches, welche noch vorNewtons »Principien« erschienen sind (Oeuvres, 
Tome II. p. U4j Méditations chrétiennes, 1682). So viel mir scheint, wird es aber 
vben solche Schwierigkeiten machen, einen Einflus s Malebranches auf New- 
ton sicher nachzuweisen, als ihn mit Bestimmtheit in Abrede zu stellen. Für einen 
innuss könnten allenfalls Malebranches schon in seinen früheren Schriften 
'(«kommende Hinweisungen auf die größtmögliche Simplieität der durch Gottes 
1 len bedingten natürlichen Bewegungen geltend gemacht werden (Oeuvres, Tome II. 
P- »2. 60, Méditations chrétiennes, 1682. Tome I. p. 159—162. 257. Entretiens sur
	        
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