Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Entwickelungsgang der Leibniz‘schen Monadenlehre bis 1695
Person:
Selver, David
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4544/6/
Der Entwicklungsgang der Leibniz’schen Monadenlehre bis 1695. 221 
einsamen Spaziergängen, wie er erzählt, zu Gunsten der mechanischen 
Principien gegen die Lehre von den substantiellen Formen entschied. 
Den Gegensatz, in welchem ihm damals die sich widersprechenden 
Richtungen in der Naturphilosophie entgegengetreten sind, gibt er 
verschieden an. In dem Schreiben an Burnet spricht er von dem des 
Aristoteles und Demokrit. *) Dagegen heißt es in der entsprechenden 
Schilderung jener in seinen philosophischen Anschauungen damals 
eingetretenen Krisis : »Par après étant émancipé des Ecoles triviales, 
je tombai sur les Modernes ... Le Mécanisme prévalut et me porta à 
m’appliquer aux Mathématiques«.1 2) Dass es die Schriften des Gas¬ 
sendi und Bacon waren, die ihn zuerst mit der Atomistik und der 
anti-aristotelischen Richtung in der Naturphilosophie bekannt mach¬ 
ten, gibt er ausdrücklich an : » Bacon et Gassendi me sont tombés les 
premiers entre les mains ; leur style familier et aisé était plus conforme 
à un homme qui veut tout lire.3) Leibniz hat zwar auch schon sehr 
früh, ja, wie, aus einer weiter unten anzuführenden Stelle hervorgehen 
wird, schon während seiner Universitätszeit die Schriften des Carte- 
sius kennen gelernt und von ihnen in der Folge nachweisbar die nach¬ 
haltigsten philosophischen Impulse empfangen. Aber vor der Hand 
waren es wohl die Schriften der beiden genannten Autoren, welche 
den jungen Leibniz in die Forschungs- und Auffassungsweise der me¬ 
chanischen Physik einführten. Besonders war Gassendi’s Schreib¬ 
und Darstellungsweise, auf die Leibniz in der angeführten Stelle hin¬ 
deutet, sowie der sachliche Gehalt seiner Schriften dazu geeignet, den 
jungen Autodidakten in der ausgiebigsten und gründlichsten Weise 
mit der Naturphilosophie der Alten nicht minder als mit den mecha¬ 
nischen und physikalischen Entdeckungen des galileischen Zeitalters 
bekannt zu machen. 4) Das Syntagma philosophicum Gassen- 
1) Je n’avais pas encore 15 ans, quand je me promenais des journées entières 
dans un bois pour prendre parti entre Aristote et Démocrite. Dut. 1. c. 
2) An R. de Montm. Erdm. a. a. O. 
3) An S. Foueher 1676 (?). Gerh. Phil. Sehr. Bd. I. S. 371. 
t) Vgl. Leibniz’ Äußerung über die umfassende Gelehrsamkeit Gassendi’s, so¬ 
me über die Vorliebe, mit der er in der Jugend die Schriften desselben studirte, in 
Lettre à un ami en France : Qant à M. Gassendi, dont vous désirez savoir mes senti- 
fflents, je le trouve d’un savoir grand et étendu, très versé dans la lecture des An¬ 
ciens, dans l’Histoire profane et ecclésiastique et en tout genre d’érudition ; mais ses 
méditations me contentent moins à présent qu’elle ne faisaient quand je commençai 
a quitter les sentiments de l’École, écolier encore moi-même. Erdm. Opp. 698a.
        

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