Volltext: Der Entwickelungsgang der Leibniz‘schen Monadenlehre bis 1695 (3)

Der Entwickelungsgang der Leibniz'schen Monadenlehre bis 1695. 229 
Nun aber unternimmt es Leibniz zu zeigen, wie jene Eigenschaften 
selbst nicht aus der Natur eines Körpers, d. h., wie er echt rationa¬ 
listisch sagt, aus der Definition eines solchen, abgeleitet werden können. 
Ein Körper sei das, was im Baume existirt. Nun folge zwar aus dem 
Begriff des Baumes Größe und Gestalt, aber keine bestimmte Größe 
und Gestalt, avie sie die Atomistik als gegeben annehmen muss. Hin¬ 
sichtlich der Erklärung jeder bestimmten Größe und Configuration 
sei man daher bei der Indifferenz der bloß ausgedehnten Materie in 
Bezug auf dieselbe >) vor die Alternative gestellt, die gegebene Größe 
und Gestalt eines Körpers entweder als von Ewigkeit her existirend 
zu betrachten oder auf die Einwirkung eines anderen, bereits gestalteten 
und bewegten Körpers zurückzuführen. Das Erstere aber hieße soviel 
wie auf jede Erklärung verzichten, das Letztere nichts anderes als die 
Erklärung ins »Unendliche«2) verschieben. Dasselbe, sagt Leibniz, gilt 
von der Bewegung. Ihre Wirksamkeit ist schon erforderlich, damit 
ein Körper eine bestimmte, seiner Configuration entsprechende Stelle 
im Baume einnehme ; allein aus dem Begriff des Körpers folge nur die 
Möglichkeit der Bewegung (mobilitas), nicht aber die actuelle Bewe¬ 
gung. Will man die letztere erklären, so stehe man vor derselben 
Alternative, wie hinsichtlich der Erklärung von Größe und Gestalt. 
Noch viel weniger vermag die Corpuscularphilosophie die Consistenz 
der Körper aus der Definition derselben abzuleiten. Wenn Demokrit 
und Epikur, sowie ihre »neueren Nachfolger« die Cohärenz durch An¬ 
nahme verschieden gestalteter Atome erklären wollen, so entsteht die 
Frage, woher denn die Häkchen und Binge entstanden seien, und wo¬ 
her sie ihre Haltbarkeit (tenacitas) haben sollen. Die Erklärung der 
Cohärenz aber aus dem Mangel an leeren Zwischenräumen einzelner 
Atomcomplexe müsse sich die neuere Naturforschung zu wiederholen 
Demokrit’sche Atomistik zutrifft, vgl. man H. C. Liepmann: »Die Mechanik der 
Leucipp-Demokritischen Atome etc.« Berl. 1885. 
1) Eadem enim materia ad quamcunque figuram sive quadratam sive rotundam 
indeterminata est. Erdm. u. Gerh. 11. cc. 
. , 2) Leibniz sagt in infinitum, streng genommen aber hätte er nur sagen können 
ln ^definitum; denn die Causalität führt thatsächlich nicht ins Unendliche, sondern 
nur ms Unbestimmte. Dass der regressus in infinitum unmöglich, also unstatthaft 
ist, weil derselbe die unendliche Weltgröße Voraussetzt, eine gegebene Größe also, 
ie empirisch unmöglich ist, hat indess erst Kant mit besonderer Schärfe dargelegt. 
r- d. r. V. 9. Absch. d. Antinomien. 
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