Volltext: Die Lehre von der Quantification des Prädicats in der neueren englischen Logik (3)

Die Lehre von der Quantification des Priidicats in der neueren englischen Logik. 181 
Ein zweiter Vorwurf, den Mill der Lehre vom quantificirten 
Prädicat macht, besteht darin, dass, wie er meint, das durchgehends 
quantificirte Urtheil nun nicht mehr eine, sondern zwei Aussagen 
enthält, dass also durch Quantification des Prädicats an seinem Inhalt 
geändert wird. »Wenn wir, sagt derselbe, eine Behauptung aufstellen 
in der gezwungenen und unnatürlichen Form »Alle Menschen sind 
alle vernünftige Wesen», ist Etwas einleuchtender und klarer, als 
dass, um das Ganze dieser Behauptung zu umfassen, zwei Urtheile 
erforderlich sind: nämlich erstens, dass jeder Mensch das Attribut 
Vernunft besitzt, und zweitens, dass Nichts, was nicht Mensch ist, 
dieses Attribut besitzt, oder (was dasselbe ist) dass jedes vernünftige 
Wesen die Attribute von Mensch hat. Wie ist es möglich, bloß ein 
Urtheil zu bilden aus einer Behauptung, die in zwei Theile zerfällt, 
wovon der eine unbekannt, der andere bekannt, der eine nicht ge¬ 
dacht, der andere gedacht, der eine falsch, der andere .richtig sein 
kann«* 1). Mill sieht also in dem Urtheile, dessen Prädicat quantifient 
wird, nicht mehr ein, sondern eigentlich zwei Urtheile2 *), und auch 
andere Logiker wie Trende 1 enburg3) und De Morgan4) haben 
behauptet, dass im durchgehends quantificirten Urtheile zwei Aus¬ 
sagen zu einem Urtheile verbunden werden, bezw., dass zu dem un- 
quantificirten Urtheile durch Quantification ein neues hinzutritt. So 
wird dadurch, gerade entgegengesetzt dem Hamilton’ sehen Postulat, 
explicite zu setzen, was implicite gedacht wird, wie Mill es ausdrückt, 
»implicite gesetzt, was explicite gedacht wird« 5). 
vermengt werden. Die Entscheidung der Frage aber, ob das Prädicat quantifient 
gedacht wird, oder nicht, ebenso wie die daran sich eng anschließende von der Auf¬ 
fassung des Urtheils als logischer Gleichung, steht dem Logiker, keineswegs aber 
auch dem Psychologen zu. 
1) An examination p. 440. 
2) So nennt er a. a. O. p. 441 das allgemein quantificirte Urtheil »einen abge¬ 
kürzten Ausdruck zweier Urtheile«, und ebda, an einer anderen Stelle fragt er : »ist 
das Urtheil, Alle gleichseitigen Dreiecke sind alle gleichwinkligen Dreiecke« nur 
ein Urtheil, was ist dann die Behauptung, dass alle gleichseitigen Dreiecke gleich¬ 
winklige sind? — Wohl ein halbes?« 
_3) »Jene Urtheile sind eigentlich zwei, in einen Ausdruck zusammengeschweißt.« 
“gische Unters. 2. Aufl. Leipz. Bd. II. p. 304 und ebda weiter. »Man nimmt bei 
er sogenannten Quantificirung des Prädicats aus dem Urtheil heraus, was der Ge- 
anke gar nicht hineinlegte.« 
4) Vgl. Bain, Logic Vol. I. Deduction Lond. 1873. p. 88. 
5) An examination p. 442.
	        
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