Volltext: Ueber den Einfluss der Reizstärke auf die Dauer einfacher psychischer Vorgänge mit besonderer Rücksicht auf Lichtreize (3)

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G. 0. Berger. 
zu viele Schwierigkeiten bieten. Ueber die absolute Reactionsdauer in 
den untersuchten Sinnesgebieten vermag ich aus früher angeführten 
Gründen nichts genaues anzugehen. Die mittlere Variation aber 
scheint hei den Reactionen auf Lichtreize durchschnittlich größer zu 
sein, als hei denen auf elektrische und Schallreize. 
Wundt begründet das Verhalten der Reactionszeit bei verschie¬ 
denen Reizstärken damit, dass bei schwachen Reizen die Aufmerk¬ 
samkeit nicht genügend adaptirt sei, sondern immer einen stärkeren 
Eindruck erwarte, daher längere Zeit brauche, um den der Erwartung 
nicht entsprechenden Reiz in eine Reactionsbewegung umzusetzen. 
Dieselbe Ursache könnte einem Wiederaufsteigen der Reactionszeit in 
der Gegend der Reizhöhe, sowie dem Wachsen der mittleren Varia¬ 
tion nach beiden Seiten hin zu Grunde liegen. 
Ich füge dieser Erklärung noch eine andere hinzu. Kunkel1) 
stellt den Satz auf: »Für die gleiche Farbe gilt der Satz, dass die 
größere Helligkeit in kürzerer Zeit das ihr zukommende Maximum 
von Erregung (der Netzhaut) hervorbringt, als die kleinere.« Es ge¬ 
hört nun offenbar ein bestimmter Grad von Erregung der Netzhaut 
dazu, wenn eine Lichtempfindung entstehen soll. Andererseits muss 
die Lichtempfindung (die Erregung des Sehcentrums) erst eine ge¬ 
wisse , — vom Grade der Aufmerksamkeit abhängige, — Stärke er¬ 
reichen, wenn sie eine Reactionsbewegung auslösen soll. Je schwächer 
nun der Reiz, desto länger dauert es, bis jener Grad von Erregung der 
Netzhaut erreicht ist, und desto länger dauert es, bis die Erregung des 
Sehcentrums jene Stärke erreicht hat ; desto länger muss also die 
ganze Reactionszeit werden. Die Verlängerung würde also einerseits 
den physiologischen Act 1 treffen, andererseits die Acte 2. 3. und 
vielleicht auch noch die Auslösung des Willensimpulses, während 
Act 5. voraussichtlich constant bleibt. 
b. Einfluss auf die Unterscheidungszeit. 
Die nach der Wundt’sehen Methode gefundenen Mittelwerthe, 
welche oben als Unterscheidungszeit U° bezeichnet sind, geben nach 
den Auseinandersetzungen des 2. Abschn. nur eine untere Grenze für 
die Unterscheidungszeit an. Diese untere Grenze ist hei der Unter- 
1) Pflüg. Arch. Bd. 9. S. 209.
	        
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