Volltext: Ueber den Einfluss der Reizstärke auf die Dauer einfacher psychischer Vorgänge mit besonderer Rücksicht auf Lichtreize (3)

Ueber den Einfluss der Reizstärke auf die Dauer einfacher psychischer Vorgänge etc. 77 
im Allgemeinen noch eine weitere Abnahme. Soweit wir die Inten¬ 
sität der Reize gesteigert haben, heim Licht bis zum Blenden, hei den 
elektrischen Schlägen bis zur Schmerzhaftigkeit, kann ein Wieder- 
größerwerden der Reactionszeit nach der Reizhöhe zu nicht nachge¬ 
wiesen werden. Nur in einem Falle, hei meinen Reactionen auf 
elektrische Reize war die Reactionsdauer hei der stärksten Intensität 
IV fast durchgehends 'etwas größer als bei der nächst schwächeren. 
Diese Thatsache macht es zwar wahrscheinlich, dass, wie Wundt 
gefunden hat, nach der Reizhöhe zu die Reactionszeiten wieder 
wachsen, ich möchte indess den vereinzelten Fall noch nicht als bin¬ 
denden Beweis ansehen. Zugleich ergeben die angeführten Zahlen, 
dass auch die mittleren Variationen bei mittleren Reizstärken unge¬ 
fähr constant sind, dagegen nach der Reizschwelle hin ziemlich stark 
wachsen. Ueber den weiteren Verlauf der Curve lässt sich nur sagen, 
dass sie sich der Ordinatenaxe immer mehr nähert und zugleich immer 
steiler wird. Ein bestimmtes Gesetz ergibt die Curve nicht, negativ 
zeigt sie aber, dass die Reactionszeiten nicht in arithmetischer Reihe 
zunehmen, wenn die Intensität in geometrischer Reihe abnimmt, dass 
sie vielmehr rascher wachsen. Wir erhalten also folgendes Resultat: 
Die Gültigkeit des zuerst von Wundt aufgestell¬ 
ten Gesetzes: »Die Reactionszeit wächst in umgekehr¬ 
tem Sinne wie die Reizstärke und zwar um so schneller, 
je mehr wir uns der Reizschwelle nähern; dasselbe gilt 
für die mittlere Variation der Reactionszeiten«, wel¬ 
ches von Wundt selbst für Schallreize, von v. Kries 
und Auerbach für elektrische Reize nachgewiesen war, 
ist durch unsere Versuche für beide Sinnesg'ebiete be¬ 
stätigt und für Lichtreize ebenfalls bewiesen worden. 
Die Richtigkeit der Behauptung Wundt’s, dass 
nach der Reizhöhe hin die Reactionszeiten wieder 
wüchsen, wird durch unsere Versuche zwar nicht be¬ 
wiesen, aber doch wahrscheinlich gemacht. 
Da wir die Richtigkeit des Wundt’sehen Gesetzes auch für das 
Gebiet der Lichtempfindungen nachgewiesen haben, so gewinnt es an 
Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz für alle Sinnesgebiete gilt. Für 
die chemischen Sinne Geruch und Geschmack wird freilich der Be¬ 
weis schwer zu führen sein, da derartige Untersuchungen bisher noch
	        
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