Volltext: Die Wirkung akustischer Sinnesreize auf Puls und Athmung, Schluss (11)

Die Wirkung akustischer Sinnesreize auf Puls und Athmung. 577 
vorzüglichsten Anlässe sein werden, so geht die unwillkürliche 
Aufmerksamkeit, hei der ja auch sicherlich schon Innervationen 
stattfinden, in die willkürliche (oder active) über. Dass hier 
keine scharfe Grenzlinie besteht, hat bereits Wundt nachdrück- 
lichst hervorgehoben. Vielfach hat man die Aufmerksamkeit mit 
»Interesse« identificirt, so z. B. Ribot, und in der That werden 
Lust oder sich ihr anschließende Affecte vielfach die Anlässe 
von activer Aufmerksamkeit sein. So war auch z. B. bei den 
Pulsverlängerungen des vorhergehenden Beispiels Lust, wenn auch 
nur hineingedacht, als Mithilfe mit im Spiel. Vielfach jedoch 
auch werden Unlust oder sich ihr anschließende Affecte, wie Sorge, 
Zwang und dergl. die Anlässe der activen Aufmerksamkeit sein, 
oder auch bloß die Vorstellung, dass es nöthig sei, hier aufzu¬ 
merken. Dieser Selbstzwang, den das Individuum im letzteren 
Falle auf sich selber ausübt, muss natürlich die in dem Vorher¬ 
gehenden so vielfach beobachtete Puls Verkürzung herbeiführen, und 
es wird so bei sich steigerndem Selbstzwang oder auch nur einer 
durch äußeren Anlass herbeigeführten Steigerung (wie in Beispiel 69) 
diese Pulsverkürzung zunehmen. So wird active Aufmerksamkeit 
mit ihrer Richtung auf die betreffenden Sinnesorgane, einer all¬ 
gemeinen Innervation der Muskeln und insbesondere mehr oder 
minder der Stirnmuskeln bei an und für sich interesselosen Gegen¬ 
ständen vorhanden sein, wie es ja vielfach diese Reize an sich, 
z. B. als bloße Reihenfolge von Metronomschlägen, waren. Oder 
aber der Reiz war ursprünglich angenehm, so wird doch die ein¬ 
tretende Abstumpfung einen Selbstzwang veranlassen. Oder aber 
die äußeren Schwierigkeiten nehmen zu, wie in Beispiel 67 und 
bei dem Klopfen während des Multiplicirens (Beispiel 64), oder es 
wird eine mehr oder minder große Genauigkeit gefordert, wie in 
Beispiel 65 in Bezug auf das Auffassen aller Einzelschläge des 
Metronoms, oder aber beim Multipliciren, bei dem man bestrebt 
ist, nur richtige Reproductionen und nicht etwa falsche (nicht etwa 
ein Verrechnen, ähnlich dem »Verschreiben«) zu liefern. In allen 
diesen Fällen wird mehr oder minder der Selbstzwang willkürlicher 
Aufmerksamkeit vorhanden sein. 
Soviel über unwillkürliche und willkürliche (passive und active) 
Aufmerksamkeit, soweit eben die Versuche dieser Arbeit dazu
	        
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